Pflege: Alten- versus Imagepflege

Kommentar

Das Ergebnis des Pflegeberichts ist beschämend. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für eine Gesellschaft, die den Prozess des Alterns als etwas Widernatürliches empfindet. Ein Viertel der alten und pflegebedürftigen Menschen wird nicht ausreichend mit Essen und Trinken versorgt.

Schon vor drei Jahren hatte der Bericht ähnlich katastrophale Ergebnisse zu Tage gefördert. Seitdem haben sich die großen Wohlfahrtsverbände darum bemüht, die Missstände zu beseitigen. Geglückt ist es ihnen offenkundig nicht. Jetzt versucht die Branche verlorenes Vertrauen durch Imagekampagnen wieder wett zu machen. Verständlich.

Es ist gewiss lobenswert, Transparenz zu schaffen, indem eine freiwillige Zentrale eingerichtet wird, die die Pflegeeinrichtungen bewerten. Sich dabei aber nur auf das Primat der Freiwilligkeit und des sozialen Drucks zu verlassen, ist allerdings blauäugig. Anstatt die Misere offensiv anzugehen, verschanzen sich die Wohlfahrtsverbände, hinter dem fadenscheinigen Argument, die Erhebungsmethode des Pflegeberichts bilde nicht die wahren Zustände ab.

Wer glaubt: Bei Veranstaltungen, wie einem "Tag der offenen Tür" lässt sich demonstrieren, dass die medizinische Versorgung und Betreuung der Heimbewohner tadellos sei, ist naiv. An den wahren Zuständen der Heimbewohner ändert sich dadurch nichts.

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