Petition an das Olympische Komitee: Sportler*innen wollen keine fossilen Sponsoren
Tausende Wintersportler warnen, die Olympischen Winterspiele schmölzen „buchstäblich dahin“. Sie fordern, die Zusammenarbeit mit Fossilen zu beenden.
Einige der weltweit besten Wintersportler haben das Internationale Olympische Komitee IOC aufgefordert, keine Gelder mehr von der fossilen Industrie anzunehmen, darunter auch vom italienischen Ölkonzern ENI, „Premium-Partner“ und offizieller Sponsor der Olympischen Winterspiele 2026.
„Es ist an der Zeit, die normal scheinende Verbindung zwischen unseren Sportarten und den Produkten zu hinterfragen, die fossile Unternehmen verkaufen“, heißt es in einer Petition, die am Mittwoch an IOC-Vertreter in Mailand übergeben wurde.
Die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle treibt den Klimawandel voran. Das führt zu steigenden Wintertemperaturen und einer Verringerung der Schneedecke, die für Skifahren, Snowboarden und andere Wintersportarten erforderlich ist. In weiten Teilen der Nordhalbkugel erwärmen sich die Winter rapide, was nicht nur die Olympischen Spiele und professionelle Sportwettkämpfe gefährdet, sondern auch Menschen und Gemeinden, die wirtschaftlich und kulturell vom kommerziellen Skisport und anderen winterlichen Freizeitaktivitäten abhängig sind.
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Bis heute hat die Petition an das IOC mehr als 20.000 Unterzeichner gefunden, darunter Alex Hall aus den USA, der bei den Winterspielen 2022 die olympische Goldmedaille im Freestyle-Skifahren gewann; Helvig Wessel aus Norwegen, der Freeride-Weltmeister 2024, und Nikolai Schirmer, ebenfalls aus Norwegen, dessen gemeinnützige Organisation „Ski Fossil Free“ die Petition organisiert und am 4. Februar persönlich an IOC-Vertreter übergeben hat.
Bedingungen für Winterolympiade werden immer schlechter
Bis Redaktionsschluss haben weder das IOC noch ENI zu der Petition Stellung genommen. Das IOC hat jedoch 2,4 Millionen Kubikmeter Kunstschnee gekauft, um zuverlässige Bedingungen für die Abfahrtsrennen in der italienischen Alpenstadt Cortina d'Ampezzo zu gewährleisten.
ENI, das zuvor erklärt hatte, bis 2050 klimaneutral sein zu wollen, gab im Dezember bekannt, dass „90 Prozent der Kraftstoffe, die ENI für die Spiele liefern wird, aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen werden“.
Laut einer neuen Studie der wissenschaftlichen Non-Profit-Organisation Climate Central sind die Temperaturen im Februar in den 70 Jahren seit der Ausrichtung der ersten Olympischen Winterspiele 1956 in Cortina um 3,6 Grad Celsius gestiegen. Cortina hat demnach heute 41 weniger Frosttage pro Jahr als 1956.
Weltweit wird nur die Hälfte der Orte, die für zukünftige Olympische Winterspiele als geeignet gelten, bis zum Jahr 2050 zuverlässig niedrige Temperaturen haben, wie Climate Central herausfand. „Wenn wir nichts gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel und die Verbrennung fossiler Brennstoffe unternehmen, schmilzt die Möglichkeit, Olympische Winterspiele zu veranstalten, buchstäblich dahin“, sagte Kaitlyn Trudeau, eine der Studienautorinnen.
Winterspiele 2034 in Salt Lake City? Unwahrscheinlich
„Die Menschen in meiner Gemeinde diskutieren nicht darüber, ob der Klimawandel real ist oder nicht“, sagte Graham Zimmerman, professioneller Alpinist und Sprecher der gemeinnützigen Organisation Protect Our Winters, die die Unterschriftenaktion unterstützt hat. „Wenn wir auf die Berge blicken, ist er ganz offensichtlich.“
Zimmerman und sein Team befanden sich auf 7.000 Metern Höhe auf dem K2 in Pakistan, dem zweithöchsten Berg der Welt, als sie aufgrund von schmelzendem Schnee und Eis gezwungen waren, 14 Stunden lang auf einem schmalen Felsvorsprung Schutz zu suchen.
„Auf dieser Höhe zieht man normalerweise dicke Kleidung an, um sich warmzuhalten“, sagte er. „Stattdessen mussten wir uns bei 5 Grad vor Lawinen und Steinschlag schützen, weil der Berg buchstäblich auseinanderfiel.“
Dass sich die Winter rapide erwärmen, obwohl derzeit in weiten Teilen der USA und Europas bittere Kälte herrscht, mag widersinnig erscheinen, aber Wetter ist nicht dasselbe wie Klima. „In einer sich erwärmenden Welt wird es weiterhin Kälteeinbrüche geben, nur werden sie seltener auftreten“, sagte Trudeau. „Wir werden weiterhin kalte Tage haben, nur wahrscheinlich weniger oft.“
2034 soll Salt Lake City Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2034 werden. Aber Rocky Anderson hat da seine Zweifel. Anderson war Bürgermeister der Stadt, als sie 2002 die Spiele ausrichtete. Jetzt zeigt er auf die majestätischen Gipfel östlich der Innenstadt und sagt: „In diesen Bergen liegt fast nirgendwo Schnee. Ich glaube nicht, dass wir 2034 Olympische Winterspiele in Utah sehen werden.“
Dieser Artikel wurde im Rahmen der Kooperation zwischen dem Projekt „Covering Climate Now“ und der taz veröffentlicht. Mark Hertsgaard ist Geschäftsführer von „Covering Climate Now“ und Umweltkorrespondent der Zeitschrift „The Nation“.
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