Personenführung #133: Burhan Yassin

Der interkulturelle Diplomat

Burhan Yassin bereichert das taz.meinland-Team seit Januar mit seinen ganz eigenen Kenntnissen.

Bild: Paul Toetzke

von LION HÄBLER

1992 als Palästinenser im Libanon geboren. Heute: quasi staatenlos. Er kann viel erzählen, seine Worte werden noch lebendiger, wenn er sich sehnsüchtig einen Fleck Erde in der Heimat vorstellt. „Jeder Mensch sollte doch einen eigenen Platz haben, für Sicherheit. Eigentlich muss das gehen, dass auch verschiedene Religionen zusammenleben dort, wenn es gegenseitige Achtung und Interesse für die Kultur der anderen gibt.“ Auf der Suche nach Heimat und Sicherheit ist der 25-Jährige im Herbst 2015 in Berlin angekommen.

Seit Januar 2017 ist er Teil des taz.meinland-Teams. Wenn er auf Kreuzbergs Straßen Stimmen einsammelt, wird er als Interviewer bisweilen persönlich. Weil es ihn betrifft. „Kann ich für Sie auch deutsch sein?“ Im Kontakt mit Gesprächspartner*innen schleift er die Sprache. Innerhalb der taz setzt er dabei die Kenntnisse ein, die er durch sein Bachelorstudium (Kommunikation und Journalismus) in Beirut erwarb.

Kamera und Kochtopf

Er hilft mit den Augen, die er als Journalist und Kameramann bei der libanesischen TV-Produktionsfirma samalink schärfte und bereichert durch interkulturelles Verständigungsgeschick. Zuletzt beschwichtigte er einen Störenfried, als dieser dabei war, eine Geburtstagsparty aufzumischen. Burhans Arabisch half.

Sein Leben hier drängt ihm dabei auch Kompromisse auf. Das Ramadan-Fasten erträgt er, sammelt dabei spirituelle Kraft. Das tägliche Nikotin ist ein akzeptiertes Laster, aber „fünfmal am Tag zu beten, das ist schwer, wenn ich hier in einem westlichen Rhythmus arbeite“.

Geliebte Menschen musste er im alten Leben zurücklassen, als ihm sein kritisches Nachhaken Probleme einbrachte. Die Lage war zu riskant geworden. Jetzt will er sein Studium in Berlin fortsetzen und arbeiten – am besten als Journalist. „Aber kochen kann ich auch. Das und noch anderes habe ich alles auch in Griechenland schon gemacht“, als sein Fluchtweg ihm dort einen Zwischenstopp abverlangte.

Burhan Yassin ist motiviert. „Ich bin ja auch noch jung“. Stimmt. Lernen, wachsen, weitermachen. Mit all den Lebenserfahrungen und Umwegen im Gepäck ist er eine Bereicherung für jedes Umfeld.