: Peinlich!
■ Betr.:“Ziviler Ungehorsam wird gesellschaftsfähig!“ von Günther Dey
Lieber Günther! Dein heutiges Statement zur Besetzung der Fohlenwiese in Oberneuland ist zumindest eine politische Peinlichkeit. Ich möchte Dich fragen, ob Du weißt, von was Du schreibst, wenn Du die Besetzung in Oberneuland als zivilen Ungehorsam bezeichnest. Ich möchte Deiner Feststellung, daß „die Auseinandersetzung (...) durchaus auch etwas Positives“ für die politische Kultur hat, zustimmen, aber die Besetzung hat herzlich wenig mit zivilem Ungehorsam zu tun. In Deiner Darstellung erscheint die Aktionsform des zivilen Ungehorsams wertneutral, gleichwohl als von verschiedenen Interessengruppen instrumentalisierbar. Dies ist m.E. falsch. Ziviler Ungehorsam ist als eine Protestform der „Gewaltfreien Aktion“ mit eindeutigen Werten, die viel mit Gemeinwohl und gesellschaftlichem Fortschritt hin zu einer gewaltärmeren, d.h. auch sozialen, basisdemokratischen und antisexistischen Gesellschaft zu tun haben; der Weg hat das Ziel zu spiegeln. Egoistische Interessen, wie sie mit der Aktion in Oberneuland zutage treten, haben hier (glücklicherweise) wenig Platz. Ich bitte Dich, das zu bedenken. Wenn Du mit dem Begriff des zivilen Ungehorsams derart unbedacht umgehst, trägst Du ihn auch in Gruppen und Interessen an, die mit den damit vermittelten Werten wenig gemein haben und die Bestimmtheit der Aktionsform nur mindern können. Der zivile Ungehorsam ist in einer (mehr oder weniger) Demokratie ein absolut kostbares Mittel, um Interessen durchzusetzen. Daher sollte sowohl der Begriff wie die Aktionsform selbst mit Vorbedacht eingesetzt werden. Thomas Berger
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