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Parteizentrale der AfDAfD zieht's nach Wittenau

Nach jahrelanger Objektsuche scheint die AfD fündig geworden zu sein. Viel spricht dafür, dass sie in einen Bürokomplex in Wittenau zieht.

Die AfD sucht ein Zuhause (Symbolfoto) Foto: dpa

Berlin taz | Es ist kein Geheimnis: Die AfD ist schon lange auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. 2019 etwa hatten der Berliner Landes- und der Bundesverband Interesse am Erwerb einer Immobilie auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsverbrechergefängnisses Spandau. Sowohl Bundes- als auch Landesgeschäftsstelle, bislang jeweils zur Miete in Tiergarten, sollten dort untergebracht werden, auch hätte es Platz für ein Tagungszentrum gegeben. Der Kauf aber scheiterte, ebenso wie der jüngste Versuch, einen alten Kornspeicher im sächsischen Meißen als Parteiimmobilie zu erwerben.

Womöglich ist die Partei nun aber im Reinickendorfer Ortsteil Wittenau fündig geworden. In einem vierstöckigen, hufeisenförmigen Bürogebäude in der Wallenroder Straße 1/Eichhorster Weg 80, das seit Jahren zu erheblichen Teilen leersteht, werden derzeit Räumlichkeiten renoviert. Einen Hinweis, dass die AfD hier als neue Mieterin einziehen könnte, lieferten zunächst antifaschistische Recherchen der Gruppe North East Antifa.

„Wir wissen, dass am Montag nach der bundesweiten AfD-Demo (am 8. Oktober – d. Red.) dort mehrere Kisten mit AfD-Propaganda in Umzugskartons angeliefert wurden“, sagt deren Sprecher Johannes Schwarz. An diesem Tag fanden sich auch handgeschriebene Zettel auf dem Klingelschild und an einer Scheibe der Erdgeschossräume mit der Aufschrift: „Alternative für Deutschland Bundesgeschäftsstelle“. Fotos, die die Gruppe zum Teil veröffentlichte, belegen dies.

Das Haus wird von Verbänden, Beratungsstellen, Anwaltskanzleien oder dem Lieferdienst Flink genutzt. Mit mehren Menschen, die hier arbeiten, konnte die taz sprechen, sie alle wollen unerkannt bleiben, um Probleme mit dem Vermieter zu vermeiden. Ihren Beobachtungen zufolge tauchten die AfD-Hinweisschilder schon häufiger auf. Bereits vor einem Monat sei es losgegangen, dass die Zettel in den Morgenstunden hingen und zur Mittagszeit wieder abgenommen wurden, erzählt eine Person. Im Haus kursiert zudem das Gerücht, dass die Partei nicht nur den freien Erdgeschossflügel, sondern auch weitere bislang ungenutzte Büros, die derzeit ebenfalls renoviert werden, nutzen könnte.

Platz wäre da

Platz für die in den vergangenen Jahren stark gewachsene Partei jedenfalls gibt es genug: Die freien Flächen belaufen sich laut taz-Informationen zufolge auf Hunderte Quadratmeter. Es gibt Platz für eine Büronutzung, aber auch für Besprechungsräume und einen großen Seminarraum. Für die Partei, die in Berlin kaum Räume für eigene Veranstaltungen findet, wäre das ein großer Schritt nach vorne. Der Pressesprecher der Bundes-AfD, Michael Pfalzgraf, wollte sich auf eine taz-Anfrage nicht äußern.

Einer, der es noch wissen muss, ob die AfD hier tatsächlich ihr neues Zuhause gefunden hat, ist der Vermieter. Im Grundbuch eingetragene Eigentümerin des Bürokomplexes ist die Quercus Grund GmbH, eine Immobilienfirma für die Vermietung und Verpachtung von Gewerbegrundstücken, die das Gebäude nach taz-Informationen erst vor etwa zwei Jahren übernommen hat.

Geschäftsführer der Quercus ist laut Branchenportalen der Österreicher Lukas Hufnagl, der, so heißt es auf einer Website einer weiteren Firma, der er vorsteht, seit 20 Jahren Erfahrung in der Finanzwirtschaft besitzt und sich seit zehn Jahren auf „Immobilieninvestments in Zentraleuropa“ konzentriert. Hufnagl steht noch weiteren in Berlin ansässigen Firmen vor. Zu einer möglichen Vermietung an die AfD will er sich nicht äußern. Einen Anruf der taz beendete Hufnagl wortlos bei Erwähnung des Parteinamens. Über Verbindungen von ihm ins rechte Spektrum ist nichts bekannt.

Bei der North East Antifa geht man davon aus, den richtigen Ort ausfindig gemacht zu haben. Sprecher Schwarz sagt: „Niemand hängt sich ohne Grund freiwillig einen solchen Zettel an die Tür.“ Außerdem biete die räumliche Umgebung aus Gewerbebauten und Einfamilienhäusern der Partei den Vorteil, dass sie „mit wenig Widerstand zu rechnen habe“. Gleichwohl heißt es auf der Website der Gruppe: „Inwieweit es für die AfD dort traumhaft bleibt, liegt an uns Berliner*innen.“

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