„Parasite“ bester Film bei Oscars 2020

Bong räumt bei Oscars ab

Als erster nicht englischsprachiger Film gewinnt das Drama „Parasite“ den Oscar als „Bester Film“. Regisseur Bong Joon-ho bleibt bescheiden.

Filmszene aus Parasite

Haben nur auf dem Klo WLAN: Kim Ki-jung (Park So-dam, l.) und Kim Ki-woo (Choi Woo-shik) Foto: dpa

PEKING taz | „Jetzt werde ich bis in die Morgenstunden trinken“, sagte Bong Joon-ho auf der Bühne des Dolby Theatres in Los Angeles. Grund dafür hat er genug: Der 50-jährige Regisseur aus Südkorea hat am Sonntagabend Filmgeschichte geschrieben. Zum ersten Mal erhält mit „Parasite“ ein nichtenglischsprachiger Film den begehrten Oscar für den „Besten Film“. Und gleich dazu noch drei weitere goldene Statuen, darunter für die „Beste Regie“.

Die jubelnde Internet-Gemeinde hat Bong indes schon seit Monaten in den sozialen Medien zum neuen Liebling gewählt. Auch deshalb, weil der Regisseur bodenständig wirkt. So etwa bei der Premiere von „Parasite“ bei den Filmfestspielen von Cannes, als er das Publikum nach minutenlangen Standing Ovations bat, doch bitte zum Ende zu kommen, weil er hungrig sei und endlich abendessen wolle. Oder als er einem US-Reporter auf die Frage nach der weltweiten Relevanz der Oscar-Verleihung nur schulterzuckend entgegnete: „Das ist kein internationales Filmfestival, sondern eine sehr lokale Angelegenheit.“

Ausgerechnet jener Bong erbringt nun den Gegenbeweis: „Parasite“ hat auch die untertitelfaulen US-Amerikaner in die Kinosäle gelockt und allein in den Vereinigten Staaten mehr als 25 Millionen US-Dollar an den Kinokassen eingespielt. Weltweit sind es sogar über 165 Millionen US-Dollar. Dabei war der Film mit umgerechnet rund 11 Millionen US-Dollar Produktionskosten vergleichsweise billig.

„Parasite“ handelt von zwei Familien an unterschiedlichen Enden des Wohlstandsspektrums: Die Kims leben in einer ärmlichen Kellerwohnung in Seoul, die Parks in einer festungsgleichen Villa am Berghang mit riesigem Garten und teuren Luxusmöbeln. Ohne vereinfachende Klischees zeigt Bong die wachsende Ungleichheit zwischen Reich und Arm und skizziert die südkoreanische Gesellschaft: So reden die Hauptdarsteller in einem Dialog von einer einzelnen Jobausschreibung als Wachpersonal, auf die sich rund 500 Universitätsabgänger beworben haben. Einen ähnlichen Fall hat der Regisseur in einem Zeitungsartikel gesehen.

Regisseur Bong geht es um die cineastische Erfahrung

Obwohl der Regisseur in „Parasite“ einiges an ideologischer Kapitalismuskritik verpackt: Ihm geht es zuallererst um die cineastische Erfahrung. Mit seinen Filmen wolle er den Zuschauer „beim Kragen packen und durchschütteln“, sagte Bong kürzlich dem Guardian in einem Interview. Stunden später solle dann die intellektuelle Botschaft einsetzen.

„Parasite“ ist nicht der erste südkoreanische Film, der Zuschauer kräftig durchschüttelt. In den 2000er Jahren gab es bereits eine „erste Welle“ der südkoreanischen Kinokunst. Gefeierte Regisseure sind Park Chan-wook („Old Boy“), Kim Ki-duk („Die Insel“) und Bong Joon-ho, die Zuschauer und Kritiker ebenfalls für ihre eindringliche Bildsprache feiern.

Bong selbst stammt übrigens aus der oberen Mittelschicht, sein Vater lehrte Kunst an einer Universität. Auch heute, nach einer beachtlichen Karriere mit neun Spielfilmen, lebt der Südkoreaner – anders als die wohlhabende Familie Park in „Parasite“ – bescheiden: in einem Seouler Apartment im neunten Stock.

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