piwik no script img

Palast bleibt - vorerst

■ Spreeinsel-Gestaltung: Auch nach Wettbewerb geht Debatte weiter / Schwaetzer: "Centre Pompidou" für die Mitte

Auch nach der Entscheidung im Ideenwettbewerb „Spreeinsel“ geht die Debatte um die Gestaltung des Regierungsviertels auf dem Areal um das ehemalige Staatsratsgebäude und den Palast der Republik weiter.

„Ein stimmiges Nutzungskonzept für den Marx-Engels-Platz ist heute noch nicht in Sicht“, betonte Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer (FDP). Deshalb werde dort in den nächsten Jahren sicher nicht gebaut. Der Vorsitzende des Bundestag-Haushaltsausschusses, Rudi Walther (SPD), sagte zu den Wettbewerbsergebnissen: „Das machen wir alles, wenn wir Geld haben.“ Der Bund verfüge über „erhebliche Bausubstanz“ in Berlin, die man für die Unterbringung von Ministerien nutzen könne. „Neubauten kann man im Moment keinem Steuerzahler vermitteln.“ Der Siegerentwurf des 35jährigen Berliner Architekten Bernd Niebuhr sieht vor, das neue Außenministerium an Stelle des Staatsratsgebäudes zu errichten. Auch der Palast der Republik soll abgerissen werden. Der Abriß ist jedoch offenbar noch keine beschlossene Sache. Nach Ansicht der Bundesbauministerin sollte über die Gestaltung des Ortes „noch einige Jahre“ diskutiert werden. „Und das nicht anhand eines gähnenden Lochs, sondern mit der jetzt bestehenden Stadtstruktur“, sagte Frau Schwaetzer. Sie sei dagegen, jetzt durch einen schnellen Abriß vollendete Tatsachen zu schaffen.

Die Bundesbauministerin befürwortete auf dem Marx-Engels- Platz etwas, „das über die Stadt hinaus Bedeutung hat. So etwas wie das Pariser Centre Pompidou mit erweiterter Nutzung.“ Allein ein Konferenzzentrum – wie von Niebuhr vorgeschlagen – fülle den „wichtigsten Platz der Hauptstadt“ nicht. Die Bundesregierung sollte nach Ansicht der Ministerin auf der Spreeinsel mit einem „Schlüssel-Ministerium“ – was nur das Auswärtige Amt sein könne – vertreten sein. Das bedeute, „daß im Bereich des ehemaligen Staatsratsgebäudes ein Neubau für ein klassisches Ministerium her muß“.

Ein „Alptraum“ für sie wäre eine Kombination von Palast und Schloß. „Das ist etwas für Leute, die sich nicht entscheiden können.“ Im Zusammenhang mit der Diskussion um den Wiederaufbau des Schlosses kritisierte Frau Schwaetzer, daß in Berlin „viel zu viel rückwärts gewandt diskutiert“ werde. Das moderne Berlin entstehe nicht im „dogmatischen Festhalten an Karrees und Traufhöhen“. Architekt Niebuhr betonte, der Wiederaufbau des Schlosses sei technisch nicht machbar und für ihn zu „sentimental“.

Die Ergebnisse des Spreeinsel- Wettbewerbs werden heute von Schwaetzer und Stadtentwicklungssenator Hassemer (CDU) offiziell vorgestellt. ADN

Siehe auch Beitrag auf der gegenüberliegenden Seite.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen