Bundeswehr zieht sich zurück: Bombodrom wird zivil

Das Verteidigungsministerium verabschiedet sich von einer militärischen Nutzung des Bombodrom-Geländes. Nun bleibt die Frage: Was kommt danach?

So kann man's stehen lassen. Bild: dpa

Die Geheimniskrämerei währte bis zum Schluss. Erst im Verteidigungsausschuss, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Mittwoch tagte, gab Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) über seinen Staatssekretär bekannt: Das Bombodrom-Gelände in der Kyritz-Ruppiner Heide wird nicht militärisch genutzt werden, es bestehe kein Bedarf. Mit ein paar knappen Zeilen geht so ein über Jahrzehnte dauernder Kampf zwischen Friedensbewegung und Bundesregierung zu Ende.

Die Entscheidung kam für die meisten Gegner überraschend schnell. "Nach der Erlaubnis, zu Ostern auf dem Gelände zu demonstrieren, hatten wir damit gerechnet, dass die Entscheidung in ein bis zwei Jahren fällt", sagt Bernd Purand vom Unternehmerverein "Pro Heide". Erst im vergangenen Juli hatte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) nach jahrelangen Protesten und Klagen erklärt, auf einen Luft-Boden-Schießplatz verzichten zu wollen. An einer militärischen Nutzung hielt er aber fest. "Natürlich ist es schön, wenn es jetzt endlich einen Schlusspunkt gibt", sagt Benedikt Schirge, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) "Freie Heide". Nun gehe es darum, die Zukunft des Geländes zu klären.

Unvorbereitet sind die Initiativen nicht: Vor gut einem Monat hat eine kommunale Arbeitsgemeinschaft ihre Tätigkeit aufgenommen. Darin sind sowohl der Landkreis und die Anrainer-Gemeinden, als auch die Bürgerinitiativen vertreten. "Ziel ist es, einen Plan zu erarbeiten, hinter dem alle stehen", sagt Schirge. Die BI hoffe zwar auf eine naturnahe Nutzung, schließe aber finanziell lukrative Einrichtungen, wie regenerative Energien, nicht aus.

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"Zunächst muss aber die Frage der Munitionsräumung geklärt werden", sagt Agnieszka Malczak, die als Bundestagsabgeordnete der Grünen im Verteidigungsausschuss sitzt. Der Kommandant des Standortes bezifferte die Kosten zuletzt auf 375 Millionen Euro. "Uns fehlen die genauen Daten über das Vorhandensein von Munition und Blindgängern", kritisiert Klaus Günther, der für "Pro Heide" an der kommunalen Arbeitsgruppe beteiligt ist. Klar sei: Eine Dekontaminierung wie sie die Bundeswehr geplant hätte, sei nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch unsinnvoll. "Nach dem Standard soll alles bis auf sechs Meter Tiefe geräumt werden", sagt Günther.

Dazu werde die oberste Bodenschicht abgetragen, durchsiebt und mit Sonden die Tiefen abgesucht. "Dann hätten wir hinterher eine große Sandwüste, wir wollen aber eine Heide." Weil alleine bis zum Beginn der Räumung noch Jahre vergehen können, soll der dringendste Plan schon vorher realisiert werden: Sichere Wege quer über das Gelände sollen es wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

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