piwik no script img

PARTNERTAUSCH-ADRESSEN IM GESUNDHEITSFÜHRER

„Sex dient der Gesundheit“

Burtenbach (taz) — Frechheit siegt, sagt sich offensichtlich der Betreiber eines umstrittenen Pärchenclubs in der kleinen schwäbischen Gemeinde Burtenbach im Landkreis Günzburg. Während das Landratsamt mit immer neuen Zwangsgeldern versucht, dem allwöchentlichen Partnertausch in dem Clubhotel St. Tropez ein Ende zu bereiten, lassen sich der Betreiber und seine Anwälte immer neue Gags einfallen. Jetzt möchte der Rechtsvertreter des Pärchenclub-Chefs die Aufnahme des Clubhotels in den Gesundheitsführer des Landkreises erreichen. Die Begründung des Bielefelder Anwaltes: Sexualität dient der Gesundheit.

Deshalb soll also jetzt die Adresse des „Vereins für Körperkultur und Freizeitgestaltung“ in den Ratgeber für Gesundheit. Die zuständigen Behörden halten freilich die jüngsten Versuche des Clubbetreibers und seiner Rechtsvertreter für pure Ablenkungsmanöver.

Aus baurechtlichen Gründen ist schon vor Monaten der Pärchenclub von amtlicher Seite geschlossen worden, was freilich Betreiber Eberhard Hoß nicht daran hindert, den Körperkultur-Verein allwöchentlich Einladungen zum Partnertausch nach Burtenbach aussprechen zu lassen.

Nach einem Ortstermin im Frühsommer hat die Pressestelle des Augsburger Verwaltungsgerichts für den Herbst einen Verhandlungstermin in dieser Sache angekündigt. In die Schlagzeilen gekommen war der Pärchenclub, nachdem sich Einwohner der schwäbischen Gemeinde massiv gegen „diese Sauerei“ in ihrem Dorf gewehrt hatten. Als dann der Sexclub-Betreiber damit drohte, die Nobelabsteige an die Regierung von Schwaben zwecks Unterbringung von Asylbewerbern zu vermieten, sammelten Anwohner plötzlich Unterschriften für den Pärchenclub. Inzwischen gibt's in Burtenbach beides: Asylbewerberunterkunft und Pärchenclub.

Wie auch immer der Streit um den „Treffpunkt für tolerante Paare“ ausgehen mag, in den Gesundheitsführer wird die Einrichtung so schnell sicher nicht aufgenommen werden. Noch ist nämlich der alte Gesundheitsführer längst nicht vergriffen, eine Neuauflage in weiter Ferne. Klaus Wittmann

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen