Ozonkiller FCKW: Kühlschränke auf Abwegen

Die Hälfte des Ozonkillers FCKW aus alten Kühlgeräten entweicht einfach in die Luft. Obwohl es verboten ist, werden immer noch Alt-Kühlschränke nach Afrika exportiert.

Allein in Deutschland gibt es noch 30 Millionen FCKW-Kühlschränke. Bild: dpa

BERLIN taz Deutsche Entsorger schlampen beim Verwerten von FCKW-Kühlschränken. Von dem ozon- und klimaschädlichen Gas aus älteren Kühlschränken gelangt trotz vorgeschriebener Entsorgung fast die Hälfte in die Umwelt, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ermittelt. Behörden räumen Kontrollbedarf ein.

Seit 1995 darf zwar kein FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoff) mehr in Kühlschränken verbaut werden, doch in deutschen Haushalten laufen noch etwa 30 Millionen alte Kühlschränke mit FCKW als Kältemittel. Für die Entsorgung sind laut Gesetz die Hersteller verantwortlich; diese bezahlen dafür kommunale Dienstleister, denen jährlich rund drei Millionen Geräte übergeben werden.

Aus Zahlen der Statistischen Landesämter hat die DUH nun berechnet, dass 2006 nur rund 45 Prozent der FCKW aus alten Kühlgeräten entfernt wurden; mit moderner Technik sind 90 Prozent möglich. Weil nur sporadisch kontrolliert werde, würden viele Geräte illegal oder technisch unzureichend entsorgt, berichtet Maria Elander, Abfallexpertin bei der DUH.

Regulär wird das FCKW in luftdichten Anlagen aus Kühlkreisläufen und Isolierschäumen abgesaugt und vernichtet. "Die Kapazitäten zu einer guten Entsorgung sind da", sagt Karsten Hintzmann, Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Entsorgungswirtschaft. Allerdings gebe es auch schwarze Schafe in der Branche, kritisiert der Verbandsvorsitzende Peter Hoffmeyer: "Nach unseren Informationen werden viele alte Kühlschränke nicht wie vorgesehen in Deutschland entsorgt, sondern vom Hamburger Hafen aus nach Afrika verschifft." Solche Exporte hat die EU bereits vor acht Jahren verboten.

Baden-Württemberg ist mit 72 Prozent FCKW-Verwertung Spitzenreiter der DUH-Studie. In Sachsen-Anhalt verbessert man derzeit die gesetzliche Aufsicht. "Wir wollen den Entsorgungsprozess von der Abgabe bis zur Beseitigung des FCKW besser steuern", so Karin Rieseberg vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt.

Noch gibt es undichte Stellen. So haben DUH-Mitarbeiter auf einem Schrottplatz beobachtet, wie FCKW-Geräte illegal beseitigt wurden. "Maschinen schoben Kühlschränke in einen Autoschredder", berichtet Maria Elander. Dass Firmen zu solchen Maßnahmen greifen, erkläre sich auch aus den niedrigen Preisen. Pro Gerät bekommen Entsorger 2 Euro, in Österreich zahlen Hersteller hingegen 8 Euro. Die DUH fordert daher neben einer Verpflichtung der Entsorger zum Nachweis von FCKW-Bilanzen auch verbesserte finanzielle Anreize.

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