Outdoormode: "Billiglohnarbeiten sind für uns ein Tabu"

Viele Kunden legen Wert auf Arbeitsbedingungen und Klimabilanz bei der Herstellung, sagt Globetrotter-Ausrüster Patrick Valentin.

taz: Herr Valentin, Ihre Kunden sind in der Regel Naturliebhaber mit gut gefülltem Geldbeutel. Geht es dabei vor allem um Qualität oder spielen Dinge wie Herstellungsbedingungen und -verfahren auch eine Rolle?

Patrick Valentin: Die spielen eine immer größere Rolle, auf jeden Fall. Wir haben auf unserer Homepage aufgelistet, was unser Unternehmen tut, um Produktionsverfahren und Arbeitsbedingungen zu prüfen; und wir nehmen nur Hersteller auf, die unsere Anforderungen erfüllen. Die Kunden nehmen das sehr offen auf, wir erhalten entsprechendes Feedback.

Was sind denn Ihre Anforderungen?

Bei unseren Eigenmarken, die in Europa und Asien produziert werden, kontrollieren wir selbst Produktion und Arbeitsbedingungen. Wir prüfen auf Basis von DIN-Normen die Waren vor Ort und erneut, wenn sie bei uns eintreffen. Ansonsten setzen wir auf Produktionsbetriebe, die von sich aus Qualitätsstandards eingeführt haben und sich entsprechend organisieren. Das heißt auch, dass die Arbeitsbedingungen sozial und ökologisch verträglich sein müssen. Die Firma Tatonka betreibt zum Beispiel eigene Werke in Vietnam mit beispielhaften Bedingungen.

Und die wären?

Im Detail kann ich das nicht sagen. Aber ich weiß, dass Vertreter von uns gemeinsam mit Tatonka vor Ort überprüft haben, ob etwa Menschenrechte eingehalten werden und keine Kinder in den Fabriken arbeiten.

Wenn Sie vor Ort kontrollieren - wie läuft das ab?

Es gibt sowohl angemeldete als auch unangemeldete Kontrollen. Bei Ersteren wird man immer das Problem haben, dass man nur ein begrenztes Zeitfenster hat. Es ist leider anzunehmen, dass Firmen dann auf Vordermann gebracht werden. Andererseits ist anmelden sinnvoll, damit die richtigen Ansprechpartner da sind. Darüber hinaus führen externe Institute unangemeldete Kontrollen durch: Das sind Fachleute, die dann auch wissen, worauf sie schauen müssen.

Sie haben mehr als 700 Lieferanten, manche Produktionsaufträge vergeben Sie gar nicht selbst. Wie sicher können die Kontrollen sein?

Lückenlos können wir nicht kontrollieren. Wir müssen Vertrauen in unsere Lieferanten haben.

Haben Sie schon Produzenten oder Lieferanten abgelehnt, weil sie nicht den Globetrotter-Anforderungen entsprachen?

Das passiert immer wieder. Oft sind bei schlechten Produktionsbedingungen auch die Waren schlecht. Wir haben aber auch namhafte Hersteller nicht im Programm, wenn die etwa mit Kinderarbeit produzieren.

Gibt es denn eine Art Siegel, an dem sich Kunden orientieren können?

Nein, das gibt es bei uns nicht.

Man muss also gezielt nachfragen?

Grundsätzlich wissen die meisten Käufer um unsere Qualitätsanforderungen - bei uns kauft ein sehr gut informiertes Publikum. Es ist nicht Hauptthema bei der Beratung, aber es gibt tatsächlich immer wieder Leute, die bestimmte Waren nachfragen. Etwa Jacken ohne Fell oder Kohlendioxid-neutral hergestellte Kleidung. Vereinzelt wird auch nach Arbeitsbedingungen bei der Herstellung gefragt.

Und was entscheidet letzten Endes: der Preis oder die fairsten Herstellungsmethoden?

Nun, die Kunden sind durchaus bereit, für faire Produktion tiefer in die Tasche zu greifen. Es gibt Fleecepullover aus recycelten Materialien; sie kosten etwa zehn Prozent mehr. Die Nachfrage nach diesen Pullovern ist so groß, dass manche Hersteller komplett darauf umgestellt haben.

Also zahlt sich nachhaltiges Produzieren nicht nur aus Imagegründen aus?

In gewissem Maße, ja. Wirtschaftlich müssen aber auch Outdoor-Hersteller arbeiten. Eine neuseeländische Firma hat beispielsweise versucht, nur Merino-Wolle von einheimischen Schafen zu verwenden und vor Ort zu verarbeiten. Sie haben die Produktion vor zwei Jahren nach China verlegt. Ein Herstellung in Neuseeland war einfach nicht mehr tragbar.

Und in Asien produzieren ohne Kinderarbeit - geht das?

Ja, das geht. Technisch anspruchsvolle Verarbeitungsschritte, wie sie bei der Herstellung von Wetterschutzjacken oder einem Trekkingrucksack notwendig sind, setzen qualifiziertes Personal voraus. Kinder- und Billiglohnarbeiten sind für uns ein Tabu. Und: Wir erlauben unseren Partnern keine Unterverträge mit anderen Firmen, um diese Standards zu halten.

Werden auch noch Produkte in Deutschland hergestellt?

Vereinzelt. Einige Wander- und Bergschuhfirmen produzieren noch hier. Textilien aber kommen fast ausschließlich aus Asien, auch unsere Eigenmarken.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Seit 40 Jahren erscheint ein Regionalteil der taz in dieser großen, ja großartigen Stadt. Das Jubiläum wird würdigst begangen.

 

• Vier taz Talks laden vom 28.10.-06.11. zu Debatte und Streit über Berlin, seine Probleme und Chancen ein. Mit dabei sind u.A. Monika Herrmann, Klaus Lederer und Antje Kapek

 

• Eine (bundesweite) Sonderausgabe der taz wirft am 07.11. auf 12 Seiten in der gedruckten taz und der App einen umfassenden Blick auf die Entwicklung der Stadt seit 1980. Dem Ressort eng verbundene Autor*innen schauen auf diese vier Dekaden zurück, schildern in großen Essays, was wirklich wichtig war in jener Zeit und was davon bleibt. Außerdem sprachen wir mit jenen zwei Politikern, die zusammen 28 Jahre die Regierenden Bürgermeister Berlins waren: Klaus Wowereit und Eberhard Diepgen.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben