Olympia auf 12 Quadratmetern: App jetzt geht’s los! Oder nicht?

36,5 Grad: Wie der Olympia-Reporter der taz mit den Widrigkeiten einer Drei-Tage-Quarantäne in Tokio kämpft.

Weitergabe der olympischen Flamme mit Fackeln.

Die olympische Flamme brennt – für den einen heißer, für den anderen kälter Foto: Edgar Su/reuters

Zu meiner Auftaktkolumne möchte ich insbesondere herzlich meine Le­se­r:in­nen in Japan begrüßen. Schließlich hat mich das japanische Organisationsteam der Olympischen Spiele wissen lassen, dass ich aus Pandemieschutzgründen in den ersten drei Quarantänetagen unter einem erhöhten Level der Überwachung arbeite. Und Kolumnen, in denen die Beobachtungssubjekte Erlebtes hinterlegen, gehören gewiss zur Pflichtlektüre.

Ich versichere hiermit hoch und heilig, dass meine GPS-Daten, die ich pflichtgemäß gleich am Flughafen freigegeben habe, nicht lügen und ich zumindest aus Sicht eines Pandemieschützers nicht das Geringste erlebt habe. Die Highlights haben sich fast ausschließlich in meiner derzeit etwa zwölf Quadratmeter großen Blase im 13. Stock meines Hotels abgespielt. Zu erwähnen wäre da etwa die beheizbare Klobrille und die per Knopfdruck auszulösende Bidetfunktion.

Keine auffälligen Symptome

Dass ich überhaupt hier sein darf, ist keine Selbstverständlichkeit, weil die App, über die ich täglich meine Gesundheitsdaten übermitteln soll, für mich bislang noch nicht freigeschaltet werden konnte. Ohne diese App, hieß es zuvor, dürfte man den Flughafen bei Ankunft gar nicht verlassen. Für dieses dankenswerte Entgegenkommen der Organisatoren möchte ich an dieser Stelle festhalten: Körpertemperatur heute 36,5° C, ansonsten keine auffälligen Symptome.

Die fehlende Übertragungsmöglichkeit meiner Gesundheitsdaten ist sicherlich eine missliche Geschichte. In der Verhaltensfibel, die mir die Organisatoren zukommen haben lassen, steht, dass das erhöhte Level der Überwachung, wo nötig, mit direkter persönlicher Überwachung verknüpft werden kann. Vermutlich erfülle ich alle Voraussetzungen für solch eine Individualbetreuung.

Doch bei der Abgabe meines Speicheltests – und hiermit komme ich zu einem weiteren Highlight meiner Quarantänezeit – habe ich niemanden gesehen, der ein wenig Interesse für mich gezeigt hätte. Wenn die Coronatestsammler sich nämlich einmal am Tag von der Lobby aus melden, darf ich mit dem Aufzug herunterfahren, mein Röhrchen abgeben, und wieder hochfahren. Und wenn ich irgendetwas vergessen habe, meine Akkreditierungsnummer zum Beispiel, darf ich das auch ein zweites Mal machen. „First 14 Days“ steht auf einem roten Klebeband am Boden vor dem Aufzug, den ich nehmen soll.

Bei der Busfahrt vom Flughafen in die Stadt hat eine Olympia-Helferin der Journalistenbesatzung ein paar Dinge über Tokio erzählt. Unter anderem erheiterte sie die Runde mit der Bemerkung, man freue sich in Tokio sehr auf die Spiele. Vielleicht war sich die Frau nicht bewusst, dass die schlechten Umfragewerte international Verbreitung finden. Aber ich freue mich wirklich, wenn es jetzt losgeht und ich wieder raus in die etwas größere Blase darf, auch wenn ich dabei vielleicht einen oder gar zwei Leser oder Leserinnen in Japan verliere.

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Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.

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