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Offener Brief von MieterInnen

Bewohner*innen der Wohnhäuser an der Rummelsburger Bucht sollen ausziehen. Nun formiert sich Protest

Von Peter Nowak

Noch trotzen die MieterInnen der Hauptstraße 1 G–H in Lichtenberg dem Eigentümer Padovicz, der die Gebäude abreißen lassen will. Die BewohnerInnen wollen den günstigen Wohnraum nicht einfach aufgeben und haben sich in einem offenen Brief an Senat und den Bezirk Lichtenberg gewandt.

„Aus unserer Perspektive ist es viel verlangt, Menschen, von denen einige seit über 40 Jahren in diesen Häusern wohnen, dazu zu bringen, ihre Wohnungen, in denen sie gern bleiben würden, im Schnellverfahren während der Corona-Pandemie (!) für Luxusbauten und ein Entertainment-Aquarium zu verlassen“, heißt es in dem Brief, der der taz vorliegt. Damit beziehen sie sich auf den Entwicklungsplan für die Rummelsburger Bucht, der unter anderem ein als „Coral World“ bezeichnetes Erlebnisaquarium mit exotischen Fischen beinhalten soll. Ende April 2019 wurde der Bebauungsplan in der BVV Lichtenberg in einer Sondersitzung beschlossen, während vor dem Gebäude rund Hundert GegnerInnen des Plans dagegen demonstrierten.

Die MieterInnen verweisen auf eine von über 28.000 Menschen unterzeichnete Petition für einen B-Plan an der Rummelsburger Bucht, der einen Erhalt der Häuser in der Hauptstraße vorsieht. Sollte der Abriss nicht zu vermeiden sein, fordern die MieterInnen Ersatzwohnungen aus dem kommunalen Wohnungsbau. Bisher seien ihnen vor allem Padovicz-Wohnungen angeboten worden. „Wir wissen, dass bei einigen günstigen Padovicz-Wohnungen die Mietpreisbindung in den nächsten zwei bis drei Jahren ausläuft, und würden es sehr begrüßen, nicht so behandelt zu werden, als würde auf unsere Unwissenheit gehofft“, heißt es in dem Brief.

Kritisch bewerten die BewohnerInnen auch das bisherige Agieren der DSK-BIG, einem Stadtentwicklungsunternehmen, welches im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zwischen Padovicz und den MieterInnen vermitteln soll. In einem Schreiben der DSK an die MieterInnen von Mai 2020 war allerdings auch die Zielvorgabe formuliert, dass die BewohnerInnen bis Ende Juni ihre Wohnungen verlassen haben und in „angemessenen Ersatzwohnraum“ untergebracht werden sollen.

„Dieses erste Schreiben der DSK-BIG, von der wir zuvor noch nie gehört hatten, löste bei uns Irritationen und Ängste aus“, erklärt ein Mieter der Hauptstraße 1 gegenüber der taz. Bis zu diesem Zeitpunkt sei bisher das Team der Asum (Angewandte Sozialforschung und urbanes Mamanagement) Ansprechpartner für Fragen auf Bezirksebene gewesen.

„Wir unterstützen im Auftrag des Landes Berlin den Eigentümer bei der Bereitstellung und Vermittlung von angemessenem Ersatzwohnraum“, erklärte Désirée Kaiser von der Unternehmenskommunikation der DSK-BIG gegenüber der taz. Der offene Brief werde demnächst von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Bauen beantwortet, bestätigte die Pressesprecherin der taz.

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