Österreichs Niederlage gegen Italien: Verdient unverdient

Österreich spielt ganz gut, verliert dann doch gegen Italien, verpasst den Viertelfinaleinzug und fühlt sich ungerecht behandelt. Zu Recht?

Federico Chiesa lässt sich auf Knien für sein 1:0 feiern.

Hässlich? Federico Chiesa lässt sich für sein Tor feiern Foto: ap

So viel Lob gab es selten für ein Nationalteam aus Österreich. Das hatte im Achtelfinale die Italiener in die Verlängerung gezwungen und auch dort nicht aufgehört mitzuspielen, als es schon mit 0:2 zurücklag. Den Österreichern gelang sogar noch der Anschlusstreffer, und ein Spiel, von dem niemand so recht gedacht hatte, dass es wirklich spannend werden könnte, war zum ersten Nailbiter dieses Turniers geworden.

Italiens Trainer Roberto Mancini lobte die Österreicher über den grünen Klee, und glatt hätte man dem Österreichischen Fußballbund die Großbuchstaben verziehen, mit denen er via Twitter in die Welt posaunt hat: „STOLZ AUF DIESE LEISTUNG! STOLZ AUF DIESES TEAM! WIR SIND ÖSTERREICH!“ Doch die Freude über die eigene Leistung hatte einen äußerst merkwürdigen Beigeschmack. Unverdient sei die Niederlage gewesen, hieß es aus dem österreichischen Team. Unverdient?

„Einfach nur hässlich! Einfach nur bitter! Einfach unverdient!“, hatte der ÖFB schon unmittelbar nach dem 1:0 der Italiener in der 95. Spielminute durch Federicio Chiesa herausgezwitschert. Eines war das Tor gewiss nicht: hässlich. Bitter war es ganz sicher für die wackeren Mannen aus Infelix Austria. Aber unverdient? Saša Kalajdžić, der Schütze zum 1:2-Anschlusstreffer, hat es auch so gesehen. Unverdient sei die Niederlage der Seinen gewesen. Gibt es denn das wirklich: unverdiente Niederlagen? Oder waren die Österreicher einfach nur schlechte Verlierer?

Schlechte Verlierer

Vor fünf Jahren war es Joachim Löw, der sich nach dem Halbfinalaus bei der EM gegen Gastgeber Frankreich vorhalten lassen musste, er sei ein solcher. Er lobte den Drang der Deutschen, das Spiel zu machen, wetterte gegen Teams, die sich von Unentscheiden zu Untentschieden hangeln und einen destruktiven Stil bevorzugen. Es schien, als fühlte er sich vom Fußballgott ungerecht behandelt.

Der Sieg Frankreichs war demnach ebenso unverdient wie der Turniersieg Portugals, das in der Gruppenphase nur drei Unentschieden zu Wege gebracht hatte. Und wie ist es mit jenem berühmten Finale Dahoam, in dem der FC Bayern den FC Chelsea in München an die Wand gespielt hat, wie selten eine Mannschaft zuvor, um dann doch im Elfmeterschießen zu verlieren?

War das nicht wirklich eine unverdiente Niederlage? Oder ist es am Ende nicht doch richtig, gerecht oder eben verdient, wenn die Mannschaft nicht gewinnt, die es nicht schafft, ihre Überlegenheit in einen Sieg umzuwandeln?

Am Ende ist das sowieso eine Frage der Perspektive. Italiens Trainer Roberto Mancini meinte nach dem Viertelfinaleinzug seiner Mannen: „Wir haben verdient gewonnen, haben diesen Sieg unbedingt gewollt.“ So kann man es natürlich auch sehen.

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