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Öliges Eismeer

■ In Norwegen und Rußland hat man die Pläne für arktische Ölförderung fertig

Stockholm (taz) – Gehen die Pläne der norwegischen und der russischen Ölindustrie auf, wird eine Katastrophe wie derzeit am Fluß Petschora wie ein ständiges Damoklesschwert über dem Eismeer schweben. Den NorwegerInnen versiegen langsam die Ölquellen in der Nordsee, russische ExpertInnen halten die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen in der Barentssee für wirtschaftlicher als die Erschließung neuer Felder in Sibirien. Die ersten Probebohrungen haben bereits stattgefunden – unter dem Protest verschiedener Umweltorganisationen.

Laut einer Analyse der norwegischen Umweltschutzgruppen Bellona und Natur og Ungdom würde eine Verschmutzung, wie sie in der Nordsee durchaus zum normalen Ölförderbetrieb gehört, im Eismeer wegen des speziellen arktischen Klimas mit extrem kurzen Wachstums- und Regenerationsperioden für die Natur zu katastrophalen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt führen. Seevögel, Eisbären, Seehunde und der gesamte Fischbestand wären gefährdet. Die meisten Fachleute – auch aus der Ölindustrie selbst – sind sich außerdem darüber einig, daß eine ausgereifte Technik zur Bekämpfung eines Ölaustritts für die Nordgebiete bislang nicht existiert.

Umfangreiche Vorkommen, die eine Gewinnung wirtschaftlich erscheinen lassen, wurden bisher vor allem im russischen Teil des Eismeers in der Nähe der Insel Nowaja-Semlja gefunden. Aufgrund der Proteste der UmweltschützerInnen und der Fischereiwirtschaft war die norwegische Regierung bislang recht zurückhaltend bei der Erteilung von Konzessionen für Probebohrungen. Fertig projektiert ist aber bereits eine Landbasis bei Hammerfest, die über 5 Milliarden Mark verschlingen soll. Solche Investitionen würden sich nur bei ausgedehnter Förderungsaktivität lohnen. Oslo versucht die Öffentlichkeit damit zu beruhigen, man werde spezielle Sicherheitsvorschriften für die Ölförderung im stürmischen und teilweise eisbedeckten Nordmeer entwickeln.

Für Thomas Palm von Bellona eine Augenwischerei: „Da man aus wirtschaftlichen Gründen ganzjährig bohren und fördern müßte, ist das ganze Projekt auf eine Katastrophe hin angelegt. Im Winter, bei den schlechten Licht- und Wetterbedingungen kann niemand eine Ölpest bekämpfen. Und für einige Algenarten – damit für die gesamte Nahrungskette – sind schon geringste Verschmutzungen das Todesurteil.“ Reinhard Wolff

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