Ode an die Internet-Supermacht

„China, strong cybercountry“

Ein Chor der chinesischen Internetbehörde besingt den Cyberspace-Geist des Landes. Der Text beschwört eine schöne Zukunft für China.

„Hingebungsvoll wachen wir jeden Tag über das All“. Bild: Getty Images/David Vernon

Das Frühlingsfest rückt näher: Am 19. Februar beginnt nach traditionellem Mondkalender das Jahr des Schafes. In diesen Tagen genießen die Chinesen wieder einmal allerlei kulturelle Höhepunkte. Dazu gehören große Galas mit Musik, Tanz, Sketchen – und mit überhaupt viel Erbaulichem.

Behörden und Firmen organisieren jetzt Ausflüge zu Shows, laden ihre Mitarbeiter zum Essen – alles für ein gutes Betriebsklima und dafür, dass das Personal bei der Stange bleibt. Ein ganz besonders gelungenes Beispiel für solche Bemühungen zeigte in diesem Jahr die staatliche Cyberspace-Administration Chinas mit ihrer Oder auf die „Internet-Supermacht China“, gesungen von Mitarbeitern der Behörde:

Darin beschwört ein Chor im Stil der patriotisch-revolutionären Lieder vergangener Zeiten den Cyberspace-Geist, der den Traum eines aufstrebenden China in der Welt beflügelt: „Hingebungsvoll wachen wir jeden Tag über das All, übernehmen Verantwortung, während die Sonne im Osten aufgeht, schaffen jeden Tag Neues....". Der Refrain des Chores beschwört eine schöne Zukunft:

„Internet-Supermacht: Wo das Internet ist, da ist auch der ruhmreiche Traum; Internet-Supermacht: Vom fernen All bis zur ersehnten Heimat; Internet-Supermacht: Sag der Welt, der chinesische Traum bringt China voran; Internet-Supermacht: Ich repräsentiere mein Land gegenüber der Welt.“

Der Videoclip erregte binnen kürzester Zeit Aufmerksamkeit und kursierte durchs chinesische Netz – nicht selten mit bissigen Kommentaren versehen. Denn die Cyberspace-Administration ist nicht irgendwer: Sie ist eine mächtige Agentur, zuständig für die Internetpolitik im Lande. Das heißt: Sie kümmert sich unter anderem um den Ausbau des Netzes, die Entwicklung chinesischer IT-Standards in Soft- und Hardware, aber auch um die „Great Firewall“, die Zensur und Blockaden der Verbindung zum Internet außerhalb von China. Umso hübscher klingt da der lächelnd geschmetterte Hinweis gleich am Anfang auf die Aufgabe der Kontrolleure, jeden Tag „hingebungsvoll über das All“ zu wachen.

Mit seinem perfekten Auftritt siegte der Chor am Dienstag bei einer Talentschau, die von der Pekinger Internet-Vereinigung organisiert worden war. Das lebhafte Echo, dass er im Land hervorrief, hat nach Berichten von Beobachtern allerdings dazu geführt, dass der Video-Clip von einigen Webseiten wieder gelöscht wurde.

Verwunderlich ist das nicht. Die Hymne kommt just zu einer Zeit, in der viele chinesische und ausländische Internet-Nutzer frustriert sind, weil die Kontrollen und Blockaden immer mehr zunehmen. Nicht nur Privatleute, auch Wissenschaftler an den Hochschulen und Geschäftsleute klagen, weil sie die Great Firewall nicht mehr überspringen oder untertunneln können.

***

Der chinesische Text und eine englische Übersetzung sind auf der Webseite von China Copyright and Media zu finden.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de