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„Objektive Unordnung“

■ Ein Brief aus dem Vatikan: Die Diskriminierung von Schwulen ist Pflicht

Rom/Berlin (wps/taz) – Der Vatikan hat die US-Bischöfe in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben aufgefordert, sich gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen einzusetzen. Gesellschaftliche Diskriminierung ist geradezu kirchlicher Auftrag, wenn es etwa um Zurückweisung Schwuler bei Adoptionen oder bei der Anstellung als Lehrer, Ausbilder oder beim Militär gehe: dies sei „keine ungerechte Ungleichbehandlung“, heißt es in dem Papier der vatikanischen Glaubenskongregation. Schutz von Familie und Ehe dürften nicht durch zivilrechtliche Gleichstellung homosexueller und heterosexueller Beziehungen aufgeweicht werden. Bei Homosexualität handle es sich nämlich schlicht um eine „objektive Unordnung, die moralische Besorgnis erregt“. Immerhin, so schränken die katholischen Glaubenshüter mitleidig ein, dürften Homosexuelle nicht in ihrer Menschenwürde beleidigt werden, hätten ein Recht auf Arbeit oder Wohnung. Andererseits, so das Schreiben wieder mit glaubensfester Härte, seien diese Rechte „nicht absolut“ und könnten bei „äußerlich sichtbarem, objektiv ungeordnetem Verhalten zu Recht eingeschränkt“ werden. Dies sei dann nicht nur erlaubt, sondern sogar Pflicht.

Die US-Bischöfe reagierten mit gemischten Gefühlen auf die römischen Tips. Kardinal Hickey aus Washington wußte die „guten und verläßlichen Direktiven aus dem Vatikan“ zu schätzen, sein Kollege Weakland aus Milwaukee empfand sie als „wenig hilfreich“.

Katholische Schwulenverbände in den USA werteten den römischen Brief als Ausdruck „reiner Furcht vor den Homosexuellen“. Einer ihrer Vertreter zeigte sich jedoch gelassen: Seit vierzig Jahren kämpfe er innerhalb der katholischen Kirche für die Rechte Homosexueller, die Kirche sei in ihrer Geschichte gesellschaftlichen Veränderungen gegenüber immer schon extrem langsam gewesen; so werde auch dieses Schreiben seinen Glauben nicht wanken lassen. Barsch dagegen reagierte der Schwulenverband in Deutschland: „Wer solcherart gegen Minderheiten hetzt [...] wird zu einer Gefahr für die Demokratie [...] Die katholische Kirche ist eine Gefahr für die Demokratie. Soll sie doch zum Teufel gehen!“ heißt es markig in einer Presseerklärung des Verbandes. ci

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