Notunterkunft Tegel geschlossen: 110.000 Geflüchtete durchgeschleust
Nach fast vier Jahren ist die Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin-Tegel nun offiziell geschlossen. Die Bilanz die Betreiber und wie es weitergeht.
dpa | Rund zwei Wochen nach dem Auszug der letzten Bewohner ist die einstmals größte Flüchtlingsnotunterkunft Deutschlands in Berlin-Tegel nun offiziell Geschichte. Mit der Schließung zum 31. Dezember ende ein außergewöhnliches Kapitel humanitärer Arbeit in Berlin, erklärten die Berliner Hilfsorganisationen, die das Zentrum betrieben hatten. Seit der Eröffnung am 20. März 2022 seien auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel rund 110.000 geflüchtete Menschen aufgenommen, versorgt, medizinisch betreut und bundesweit weitervermittelt worden.
„Tegel entwickelte sich zu einem Symbol für schnelle Hilfe, Solidarität und eine einzigartige Zusammenarbeit der Berliner Hilfsorganisationen“, erklärten Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst.
Nach fast vier Jahren Betrieb steht das Zentrum seit dem 18. Dezember nun leer. Zu Spitzenzeiten lebten in der Notunterkunft bis zu 5.500 Menschen gleichzeitig in großen Leichtbauhallen, zunächst vor allem ukrainische Geflüchtete, später auch viele Asylbewerber.
Eilig aufgebaut worden war das Zentrum im März 2022 nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Es stand wegen hoher Kosten und den dortigen prekären Lebensbedingungen in der Kritik. Eigentlich sollten Neuankömmlinge dort nur übergangsweise und für kurze Zeit untergebracht werden. Viele mussten aber viele Monate oder noch länger in den Hallen ausharren, in denen sie so gut wie keine Privatsphäre und nur wenig Platz hatten.
Viele Kinder und Jugendliche
Die Hilfsorganisationen teilten anlässlich der offiziellen Schließung diverse Zahlen zum Betrieb der Notunterkunft mit. Unter den 110.000 aufgenommenen Geflüchteten waren demnach 26.841 Kinder und Jugendliche sowie 1.457 Babys bis zu einem Jahr, davon 156 Neugeborene. Menschen aus 99 Staaten wurden dort betreut. Sprachmittler halfen den Menschen in 40 Sprachen, allein die Kinderbetreuung erfolgte in 14 Sprachen. Und: Auch 2.123 Tiere wurden aufgenommen, die Geflüchtete vor allem aus der Ukraine mitbrachten – vom Hund bis zum Weißbauchigel.
Auch in Zukunft wird das ehemalige Flughafenareal Anlaufpunkt für Flüchtlinge sein. Denn dort wird jetzt nach EU-Standards ein zentrales Ankunftszentrum für Asylsuchende und Geflüchtete mit Platz für bis zu 2.600 Menschen aufgebaut. Sie sollen in Holz-Containern untergebracht werden. Neuankömmlinge sollen in der Regel in einer Woche einen einheitlichen Aufnahmeprozess durchlaufen, der auf eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) zurückgeht. Details sind allerdings noch unklar.
Außerdem werden demnächst im früheren Terminal C des Flughafens vorübergehend 500 Plätze für Geflüchtete geschaffen.
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