: Nothilfe für Bremerhaven
Das Land greift der Kommune kurzfristig finanziell unter die Arme, verlangt aber zügige Konsolidierung
Die Zahlungsunfähigkeit der Stadt Bremerhaven ist zunächst abgewendet. Das Land Bremen stellt kurzfristig die Liquidität sicher. Bremerhavens Magistrat muss dem Finanzsenator im Gegenzug zügig ein Haushaltssicherungskonzept für 2025 vorlegen. Das vereinbarten der Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Finanzsenator Björn Fecker (Grüne) auf Bremer sowie Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) und Kämmerer Torsten Neuhoff (CDU) auf Bremerhavens Seite am Dienstag.
Fecker hatte den von SPD, CDU und FDP in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Haushalt für das laufende Jahr 2025 abgelehnt – erstmals in der Geschichte des Zwei-Städte-Staats. Darin war unter anderem eine Ausweitung der kurzfristigen Kreditermächtigungen vorgesehen, um aktuelle Forderungen begleichen zu können. Ohne die aktuelle Einigung hätte der Stadt schon in der ersten Septemberhälfte die Zahlungsunfähigkeit gedroht.
Im Haushalt waren 42,8 Millionen Euro eingeplant, die das Land noch zuschießen hätte müssen – allerdings ohne eine Zusage von dort zu haben. Außerdem hatten die Kommunalpolitiker geplant, 16 Millionen weniger auszugeben als kalkuliert. Das erschien Fecker unrealistisch – er legte sein Veto ein.
Bremerhaven muss nun einen Einstellungsstopp verhängen. Im weiteren Verlauf der Gespräche soll ein langfristiger Konsolidierungsplan entwickelt werden, wie der Finanzsenator mitteilte.
Stadtkämmerer Neuhoff sprach sogar von „Maßnahmen zur Reduzierung des Personalbestandes einschließlich einer quotalen Kürzung“, die ergriffen werden müssten. „Diese Kürzung muss jetzt im Arbeitsprozess vereinbart werden und soll auf alle Personalbereiche mit Ausnahme der Bereiche Polizei & Ordnung, pädagogisches Personal an Schulen und Kindertagesbetreuung angewandt werden“, erklärte Neuhoff.
Oberbürgermeister Grantz verwies darauf, dass Bremerhaven vor allem durch die hohen Ausgaben im Sozialbereich stark belastet sei. „Seit Jahren steigt die Zahl der kommunalen Pflichtaufgaben stetig, ohne dass diese von Bund oder Land auskömmlich gegenfinanziert sind“, so Grantz. „Das ist für eine Stadt wie unsere irgendwann nicht mehr leistbar.“ (jank)
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen