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Nominierte für den taz panterpreis Sieben auf einen Schlag

Von Kulturjournalimus bis zum mobilen Radiostudio: Die Jury hat getagt – und sieben Medienprojekte für den diesjährigen taz panterpreis nominiert. Die öffentliche Abstimmung beginnt am 8. Juni.

taz panterstiftung | Leicht fiel die Auswahl nicht. Das sieht man auch daran, dass die taz-interne Vorjury (unter anderem mit Medienredakteur Johannes Drosdowski und Chefredakteurin Katrin Gottschalk) ganze sieben Medienprojekte nominierte – geplant waren eigentlich nur sechs. Die Juror:innen mussten sich zwischen rund 60 qualifizierten Bewerber:innen entscheiden.

taz panterpreis „Medien von unten“

Ausgeschrieben war der taz panterpreis unter dem Motto „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“. Vom 8. bis 27. Juni 2026 findet unter taz.de/panterwahl die öffentliche Wahl darüber statt, wer der sieben Nominierten den Publikumspreis gewinnt. Die Preisverleihung, inklusive des Jurypreises, ist im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit am 14. Oktober um 18 Uhr im Museum der Arbeit. Alle Infos: taz.de/panterpreis

Hier stellen wir die sieben Nominierten kurz vor (Videos von ihnen gibt es hier zu sehen, längere Porträts über die Nominierten folgen auf taz.de/panterpreis).

Berndt Media, Ruhrgebiet

Wenn Medien in der Krise sind, gilt das umso mehr für den Kulturjournalismus und die Stadtmagazine der 80er Jahre. Doch an Rhein und Ruhr entstanden neue Magazine zu Kultur und Kino, die seither in Kneipen und Kulturstätten ausliegen und sich allein aus Anzeigen finanzieren. Dahinter steht der Berndt-Media-Verlag. 1989 war Joachim Berndt an der Gründung damaliger Filmkunst-Magazine beteiligt. Inzwischen sind daraus das beliebte Kultur- und Bildungsmagazin choices für Köln, deren Schwester-Magazin trailer-ruhr fürs ganze Ruhrgebiet sowie engels Wuppertal geworden.

Radio CORAX, Freies Radio Halle

Seit dem 1. Juli 2000 sendet Radio CORAX als unabhängiges und basisdemokratisch organisiertes Freies Radio zwischen Magdeburg, Leipzig und Jena im Raum Halle (Saale). Ein Vierteljahrhundert täglich 24 Stunden. Aktuell werden knapp 170 verschiedene Sendungen produziert, und der den Sender tragende Verein zählt mittlerweile über 400 Mitglieder. Lokale Institutionen und Initiativen kooperieren regelmäßig mit Radio CORAX, während die AfD in Sachsen-Anhalt dem Sender am Liebsten „den Geldhahn zudrehen“ möchte, wie es im Entwurf ihres Wahlprogramms steht.

UnAufgefordert, Studierendenzeitung

Die Berliner Mauer war gerade eine Woche gefallen, als an der Humboldt-Universität (HU) die erste Ausgabe der Studierendenzeitung UnAufgefordert gedruckt erscheint. Seit dem 17. November 1989 berichtet ein Kollektiv aus ehrenamtlich engagierten Nachwuchsjournalist:innen (neben Studium und Nebenjob) kritisch über Forschung und Lehre an der HU, studentisches Leben, Kultur, aber auch über globale Themen (u.a. in der Ausgabe „Serbien: Ein Land protestiert“) – alle vier Monate in einer Printausgabe, und seit bereits 2012 auch online.

RUMS, Lokalmedium Münster

Zwei Tageszeitungen, die im selben Verlag erscheinen? So sah es in Münster lange aus. Dann gründete eine Gruppe von Journalist:innen im Jahr 2020 das unabhängige Münsteraner Lokalmedium RUMS. Im Zentrum steht ein Email-Newsletter, der mehrmals pro Woche erscheint und journalistische Recherchen, Analysen und Einordnungen zu lokalen Themen liefert – zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Stadtleben. Als Plattform für die lokale Öffentlichkeit bindet RUMS die Leser:innen stärker mit ein und ermöglicht einen direkten Austausch zwischen Journalismus und Stadtgesellschaft.

der lichtblick, Gefangenenzeitung

Sie ist die bundesweit einzige unabhängige unzensierte Gefangenenzeitung Deutschlands: der lichtblick. Herausgegeben wird sie in Print und Online von einer Redaktion, die ausschließlich aus Insassen der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel besteht, einer Einrichtung des geschlossenen Vollzuges höchster Sicherheitsstufe. Trotz aller institutionellen Einschränkungen gibt es den lichtblick bereits seit 1968. Seit fast 60 Jahren zeigt er, wie Medienarbeit gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht und wie kritischer Journalismus selbst in restriktiven Räumen bestehen kann.

nah:dran – Medien für alle

Dass Medienkompetenz für Jugendliche im Bildungswesen immer noch zu kurz kommt, ist bekannt. Hier setzt das Projekt nah:dran – Medien für alle der Jugendpresse Deutschland e.V. an, dem Bundesverband junger Medienmacher*innen. Es bringt Medienbildung direkt in die Lebenswelt junger Menschen in strukturschwachen Regionen, in denen entsprechende Angebote selten sind – durch niedrigschwellige Workshops in Schulen, Jugendclubs und lokalen Initiativen. Die dabei entstehenden journalistischen Beiträge werden in der Mediathek der Jugendpresse veröffentlicht.

Radio Connection, Mobiles Studio Berlin

Es begann 2019 als Kunst-am-Bau-Projekt für die Modularen Geflüchtetenunterkünfte in Berlin-Marzahn. Daraus wurde ein mobiles Radiostudio, das Menschen mit und ohne Flucht- oder Migrationserfahrung nutzen, um gemeinsam jede Woche eine mehrsprachige Radiosendung zu produzieren. Durch das Engagement vieler Nachbar*innen ist das Projekt Radio Connection fest im Bezirk verankert – die Redaktion besucht Veranstaltungen, spricht mit Bewohner*innen und greift Fragen auf, die den Alltag und das interkulturelle Zusammenleben vor Ort prägen.

Mehr Infos unter taz.de/panter.