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Neues Motto für OlympiaEinladung zum Kirchentag

Kommentar von

Markus Völker

Der traditionelle Olympia-Slogan „Höher, schneller, weiter“ wurde jetzt um das Wörtchen „gemeinsam“ erweitert. Was macht das mit den Spielen?

„Citius, altius, fortius“: Taekwondista Recber (Türkei, l.) kämpft gegen Husic aus Bosnien Foto: Reuters/Murad Sezer

D as Branding der Olympischen Spiele würde auch im Privatfernsehen tadellos funktionieren: „United by Emotion“ steht auf den grünen Leibchen der Olympia-Fotografen, wenn sie leere Ränge oder so knipsen. „Powered by Emotion“ hätte es ebenso gut sein können, wenn einst nicht schon Sat.1 seine Sendungen mit diesem Spruch beworben hätte.

„United by Emotion“ ist nicht etwa das neue olympische Motto, das bleibt schon das althergebrachte „Höher, schneller, weiter“. Allerdings wurde dieser Sinnspruch nun um das Wörtchen „gemeinsam“ erweitert. Es heißt also in der lateinischen Version jetzt: „Citius, altius, fortius – communiter.“ Darf IOC-Chef Thomas Bach so einfach an den Fundamenten der olympischen Ideengeschichte herumwerkeln? Offenbar.

Leihe beim Priester

Geht es nach den olympischen Damen und Herren, dann können nicht genug Modeworte in die olympische Phraseologie einziehen. Aber was wollen sie mit der Neuerung andeuten? Dass es bei Olympia nicht um knallharten Leistungssport und schiere Konkurrenz geht?

Dass ehrgeiziges Wetteifern gestrig und das Gemeinschaftserlebnis das einzig Erstrebenswerte sind? Dass künftig nur noch Teamwettbewerbe bei Olympia ausgetragen werden, weil da das Gemeinsame im Mittelpunkt steht? Und: Was würde wohl Baron de Coubertin zum neuen olympischen Slogan sagen?

Der Olympiaspruch „Höher, schneller, weiter“ stammt ursprünglich nicht vom Baron. Er hat ihn sich bei einem Geistlichen ausgeliehen: dem Dominikaner-Pater Henri Didon, der so etwas wie der Pionier des Schulsports gewesen ist.

Der Baron und der Priester waren gute Bekannte; so veranstalteten sie etwa zur Gaudi von Schülern eine Schnitzeljagd. Didon reiste zu den Olympischen Spielen 1896 nach Athen und hielt ein Jahr später eine Rede auf dem olympischen Kongress. Beide einte ihre sportliche Vision vom großen, völkerverbindenden Sportfest.

Wenn man sich in die alten Schriften vertieft, dann hätte der Baron de Coubertin das neue Motto wohl gar nicht sooo schlecht gefunden, denn im Jahr 1900 schreibt er: „Dem Sportler liegt jedes die Nützlichkeit bezweckende Streben fern.“ Man könnte auch sagen: „Dabei sein ist alles.“ Echt jetzt? Wird Olympia jetzt zum Kirchentag?

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