Neues Krimi-Theater: Männer in beigen Mänteln

Nur wenige Bühnen haben sich hierzulande allein dem Krimi verschrieben. In der Bremer Schwankhalle hat jetzt ein Kriminal Theater eröffnet - und sein Publikum gefunden.

Jetzt neu in der Schwankhalle: Martin Leßmann, Christian Aumer und Christian Kaiser (v. l.) auf der Suche nach den 39 Stufen. Bild: dpa

Bremen hat ein Theaterprojekt mehr. In der Schwankhalle, deren Vorplatz im dezemberlichen Schneegestöber schon von Weitem wie eine gedämpft erleuchtete Bühne aussieht, feierte das Bremer Kriminal Theater in der vergangenen Woche mit der Kriminalkomödie "Die 39 Stufen" Premiere. Vor nicht ganz ausverkauftem Haus, aber mit Szenen-Lachern und lang anhaltendem Applaus am Ende.

Regisseur Ralf Knapp hat mit "Die 39 Stufen" einen in Deutschland eher unbekannten Hitchcock-Stoff aus dem Jahr 1953 für die Premiere ausgesucht -in einer Bühnenfassung des britischen Theaterautors Patrick Barlow. "Hinreißend bearbeitet", wie Knapp sagt. So hinreißend, dass diese Fassung 2006 in Großbritannien als "Best New Comedy" ausgezeichnet wurde. Seitdem ist diese Theaterversion auch in anderen Ländern immer wieder auf die Bühne gebracht worden - jetzt auch in Bremen.

Die Schwankhalle ist ein Gebäude der ehemaligen Remmer-Brauerei aus der Jahrhundertwende, das Kriminal Theater spielt im Großen Saal. Wobei groß hier relativ ist - etwa 250 Zuschauer haben Platz. In den ersten beiden Reihen sind die Stühle gepolstert und haben Tische mit Rotwein drauf, in den Reihen dahinter sitzen die Zuschauer auf Holzstühlen. Die Bar, die passend zum Krimi-Genre "Giftschrank" heißt, ist gleich mit im Saal, und die meisten Gäste am Premierenabend haben ihre Winterjacken angelassen - es ist kalt hier zwischen den nicht verputzten, schwarz angemalten Wänden vor der minimalistisch ausgestatteten Bühne.

Es gibt in Deutschland nur wenige Theater, die ausschließlich Kriminalstücke und -komödien inszenieren. Neben dem Kriminal Theater Bremen gibt es Bühnen in Berlin, Hamburg und München

Das Imperial Theater in Hamburg eröffnete im August 1994. Aber erst 2002 wechselte das Haus mit Intendant Frank Thannhäuser ins kriminalistische Fach.

Die Berliner Kriminal-Bühne feierte 2010 zehnjähriges Bestehen. Intendant ist Wolfgang Rumpf.

Das Blutenburg-Theater in München war bei Eröffnung im Oktober 1983 Deutschlands erste und einzige Krimibühne. Geleitet wird sie von René Siegel-Sorell und Anne Beate Engelke.

Bevor die Schwankhalle 2003 der freien Kunst- und Künstlerszene zur Verfügung gestellt wurde, war sie in dem Zustand belassen worden, in dem die Brauerei sie verlassen haben will: Sie verfiel langsam vor sich hin. Seit 2009 sitzt hier ein Kulturzentrum, betrieben vom Trägerverein "Neugier e. V.", in dem neben dem freien Projekt Bremer Kriminal Theater auch das Jungen Theater Bremen eine feste Heimstätte gefunden hat.

"Die 39 Stufen" ist die Geschichte des Kanadiers Richard Hannay (Christian Kaiser), der unschuldig in den Mord an der Agentin Annabelle Smith (Franziska Mencz) verwickelt wird. Hannay muss nach dem Mord in seiner Wohnung vor der Polizei und vor zwei Spionen in meist beigen Mänteln fliehen, Und während er so davonrennt, muss er einen Spionagering ausheben und die 39 Stufen finden, um sein Land zu retten und seine Unschuld zu beweisen.

Der 48-jährige Kaiser, der unter anderem im Kinofilm "Die Entdeckung der Currywurst" zu sehen war, ist in diesem Stück der Einzige, der nur eine Rolle übernimmt. Franziska Mencz, Christian Aumer und Martin Leßmann haben einen ungleich anstrengenderen Job und schlüpfen zusammen in mehr als 50 Rollen. Da wird binnen einer Szene aus dem Bahnfahrer ein Zeitungsverkäufer, aus dem Hotelier der örtliche Polizeichef und aus einem Schaffner ein Schäfer.

Die Inszenierung lebt vom guten Timing, vom Improvisationstalent und vom sportlichen Einsatz der Darsteller. Die müssen nämlich nicht nur die Rollen permanent wechseln - sie werden mangels Requisiten selbst zu welchen. Da wird dann aus dem Hotelierssohn ein knisternder Kamin und aus zwei Polizisten erst ein Kuhgatter, dann ein Ginsterstrauch und schließlich ein Fluss - eine Leistung, für sich die etwa 70 Premierengäste mit Szenenapplaus bedanken.

Der Grund für die Theatergründung sei "die bedingungslose Liebe zum Krimi" gewesen, sagte Theaterleiter Christian Aumer, bevor die erste Vorstellung losgeht. Erstmal bis zum Sommer hat sich das Bremer Kriminal Theater in der Schwankhalle eingemietet, in der auch Lesungen unbekannter Autoren und Konzerte stattfinden. Auch der Offene Kanal "Radio Weser TV" sendet täglich von hier, die Kulturbehörde gibt Zuschüsse.

Regisseur Knapp schwebt vor, in der Schwankhalle ausschließlich kriminalistischen Stoff auf die Bühne bringen. Und zwar nicht nur Klassiker wie "Arsen & Spitzenhäubchen", sondern auch Andrea Maria Schenkels Bestseller "Tannöd".

Die nächste Vorstellung von "Die 39 Stufen": Samstag, 19.30 Uhr, Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112, Bremen.

Alle Veranstaltungen: www.schwankhalle.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de