Neues Hafenmuseum in Hamburg: Verrottende Erinnerungen

Das Museum soll die Arbeit im Hafen zeigen. Über der Planung eines schicken Neubaus drohen jedoch die Exponate zu verkommen.

zwei Menschen fassen Säcke, die an einem Kran hängen

Viel Handarbeit: historischer Hafenumschlag am Originalschauplatz im Hamburger Hafen Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

HAMBURG taz | Die viel besungenen „Hamborger Veermaster“ gibt es zwar noch, sie sind aber rar geworden. In Hamburg gibt es genau einen, und auch erst seit dem vergangenen Jahr. 2017 wurde die marode „Peking“ mit einem Frachter huckepack aus New York geholt und in Wewelsfleth an der Elbe restauriert. Seit gut einem Jahr liegt sie etwas versteckt mitten im Hafen, an einem historischen Kai mit bocksbeinigen Kranen, Bahngleisen und langgestreckten Schuppen aus Backstein.

Die „Peking“ soll das Prunkstück des im Aufbau befindlichen Deutschen Hafenmuseums werden. Doch während das charismatische Schiff mit viel Geld hergerichtet wurde, drohen andere Exponate zu verrotten – und zwar ausgerechnet jene, die einmal den Kern des Museums ausmachen sollten. Das zumindest befürchtet Wolfgang Schwerdtfeger vom Verein Hafenkultur.

Der ehemalige Hafenarbeiter hat – als Privatmann, wie er betont – bei Open Petition einen Aufruf zur Rettung des Hafenmuseums am Schuppen Nummer 50 gestartet. Der Schuppen, vor dem die „Peking“ liegt, ist Teil eines denkmalgeschützten und gern für Events vermieteten Ensembles. Er beherbergt ein Schaudepot mit allem, was mit der Arbeit im Hafen zu tun hat: von den Scheffeln, mit denen der Kornumstecher die Fracht prüfte, bis zur Schiffssteuerungsanlage.

Während diese Dinge bloß recht in Szene gesetzt werden müssten, geht es bei den großen Objekten draußen um die Existenz. Als Beispiel präsentiert Schwerdtfeger den orangefarbenen VC2 aus dem Jahr 1975 im Nieselregen. „VC“ steht für Van Carrier. Gemeint ist ein stelzenbeiniger Hubwagen für Container mit einer Fahrerkanzel in luftiger Höhe.

Vorführungen am Originalschauplatz

Der VC2 steht für den Anfang des modernen Hafenumschlags, bei dem im Wesentlichen Container hin und her gestapelt werden. Weiter zurück in die Vergangenheit reichen die schwenkbaren Kräne mit ihren hoch aufragenden Armen. Damit wurden früher Kaffeesäcke, Fässer und Autos aus den Schiffen gehoben. Viel zu kleinteilig, umständlich und fummelig im Vergleich zu den heutigen Containerbrücken, die ganz Lastwagenladungen auf einmal schnell und präzise bewegen.

Diese Kräne, unter denen die Hafenbahn halten konnte, repräsentieren einen Umschlag, wie er bis Anfang der 1960er Jahre modern war. Was nicht gleich abgefahren wurde, kam zum Lagern und Umverpacken in den Schuppen und konnte an dessen anderer Seite per Lastwagen abtransportiert werden.

Die Idee des Hafenmuseums ist, diese Vorgänge am Originalschauplatz zeigen zu können. Das werde aber nur funktionieren, wenn auch die Exponate erhalten werden, sagt Hafenkultur-Vorstand Schwerdtfeger. Das geschehe derzeit nur mit Hilfe von Spenden.

Der Zustand der Geräte kon­tras­tiert die großen Pläne für das Museum. Zwar sollen die alten Schuppen erhalten bleiben, zugleich soll das Museum aber einen zweiten Standort erhalten – einen Neubau, der einen neuen Stadtteil veredeln und zukünftig Liegeplatz der „Peking“ werden soll. Dafür soll es Millionen von der Kulturstaatsministerin in Berlin geben.

Die Zeit läuft

„Was wird bis dahin aus den Exponaten?“, fragt Schwerdtfeger, der sich von der Stadt, namentlich dem Direktor der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) Hans-Jörg Czech, im Stich gelassen fühlt. So langsam sinke der Mut der Ehrenamtlichen.

„Es ist in keinster Weise beabsichtigt, diese Kräne und Van Carrier sich selbst zu überlassen“, versichert Matthias Seeberg, Pressesprecher der Stiftung. Natürlich gebe es einen Investitionsbedarf. Die Frage sei, woher das Geld dafür in Zukunft kommen solle. Aus dem laufenden Budget sei das nicht ­möglich. Stadt und Bund seien dem Museum aber wohl gesonnen.

Schwerdtfeger hat eher das Gefühl, dass den Ehrenamtlichen Steine in den Weg gelegt werden. „Irgendwie spielt die Bürokratie nicht mit“, sagt er.

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