Neuer Erfolg von taz zahl ich: 25.000 System­relevante

Der Erfolg von taz zahl ich während der Pandemie deutet vor allem auch auf eine größere Solidaritätsbereitschaft hin.

Auf einem Schild steht „Solidarität statt Aluhut“

Auf die Unterstützung unser Le­se­r:in­nen kann die taz auch in Krisenzeiten zählen Foto: picture alliance/Sebastian Willnow

Was für eine Vorabbescherung für uns, das können wir im endenden Jahr 2020 resümieren. Mitten in der Coronazeit haben sich so viele bei taz zahl ich, dem freiwilligen Bezahlmodell für den Online-Journalismus der taz, angemeldet wie niemals zuvor. Zwischen März und Oktober 2020 stießen 7.180 Frei­zah­le­r*in­nen hinzu, die taz.de mit einem regelmäßigen und frei wählbaren Beitrag unterstützen. Das sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum knapp zweieinhalbmal mehr Anmeldungen.

Die Zahl der aktiven Un­ter­s­tüt­ze­r*in­nen überschreitet damit erstmals seit dem taz zahl ich-Auftakt im Jahr 2011 die Marke von 25.000.

Ein Branchenblick verrät, dass Nachrichtenjournalismus insgesamt einen Aufschwung erlebt: rasant wachsende Abo- und Klickzahlen hier wie dort. Be­ob­ach­ter*in­nen interpretieren diese Reichweitensteigerung als erhöhtes Orientierungsbedürfnis, das sich aus den Unsicherheiten in der Pandemie speist.

Für den enormen Zuwachs an taz-Unterstützenden erscheint diese Erklärung unvollständig. taz.de ist schrankenlos, es gibt keine kostenpflichtigen Inhalte. Wenn alle Informationen frei verfügbar sind und gleichzeitig die finanzielle Situation coronabedingt schlecht ist, wieso entscheiden sich dann gerade jetzt so viele für taz zahl ich? Die Antwort scheint in einer Solidaritätserklärung der Le­se­r*in­nen untereinander zu liegen.

Rasant wachsende Abo- und Klickzahlen

In der Coronakrise wurden Jour­na­lis­t*in­nen durch die Regierungen zur „kritischen Infrastruktur“ gezählt, womit sie offiziell als systemrelevant gelten. Systemrelevanz – dieser Begriff tauchte zuerst während der Finanzkrise 2009 auf, als Banken der Status „too big to fail“ zugesprochen wurde. Was die damalige mit der heutigen Situation verbindet, ist eine öffentliche Krisenwahrnehmung.

Die taz zahl ich-Entwicklungen 2019 und 2020 im Vergleich

Die taz zahl ich-Entwicklungen 2019 und 2020 im Vergleich Infografik: infotext-berlin.de / A. Edely

Dem Philosophen Jürgen Habermas zufolge nehmen Menschen eine Gefährdung gesellschaftlicher Strukturen nur dann auch als Systemkrise wahr, wenn sie die eigene soziale Identität als bedroht erfahren. Letztere ist Resultat der Sozialintegration, des Verhältnisses von Individuum zur Gesamtgesellschaft.

Seit Jahrzehnten gerät dieses Verhältnis durch eine neoliberale Atmosphäre in Schieflage, die uns zur persönlichen Verantwortungsübernahme in allen Lebensbereichen zwingt. Dadurch wurde die Komplexität sozialstruktureller Zusammenhänge unsichtbar – nirgends deutlicher als in dem Zitat Margaret Thatchers, es gebe nicht so etwas wie Gesellschaft, nur Individuen.

Solidaritätserklärung der Le­se­r*in­nen untereinander

Genau darauf begründet sich das Gefühl an der Supermarktkasse, mit den eigenen Kaufentscheidungen persönlich für den Ausgang des Klimawandels verantwortlich zu sein. Plötzlich drängt sich ins Bewusstsein, dass echte Autonomie mehr ist als Kon­su­men­t*in­nen­souveränität und Öffentlichkeit mehr als der persönliche Zugang zu Informationen.

Das wissen taz zahl ich-Unterstützende. Ihnen geht es nicht um individuelle Vorteile, sondern um das Kollektivgut taz-Journalismus. Sie zahlen nicht für sich, sondern für diejenigen, die es sich nicht leisten können, und sie zahlen als Teil des Systems taz.

Denn auch die taz ist mehr als ihre Mit­ar­bei­te­r*in­nen – das ist ihr in der aktuellen Finanzierungskrise des Journalismus umso bewusster. taz zahl ich ist das Ergebnis historischer Kämpfe, in denen es um die publizistische Autonomie der taz geht, welche nur im Sozialen erreicht werden kann. Deshalb ist für die taz auch je­de*r Einzelne der 25.000 Un­ter­s­tüt­ze­r*in­nen systemrelevant. 25.000 Mal Danke für Ihre Unterstützung!

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