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Neuer Chef für die Vertriebenen

■ Wechsel an der Spitze beim „Bund der Vertriebenen“ / Sudetendeutscher Wittmann will Ostverträge „nachbessern“

Berlin (AFP/taz) – Kampfabstimmungen, die gab es bisher nicht beim „Bund der Vertriebenen“ (BdV). 24 Jahre lang blieb der CDU-Hardliner Herbert Czaja (79) unangefochtener Chef der Vertriebenen, auch wenn seine Tiraden gegen die „Verzichtpolitiker“ und seine Verfassungsklage gegen den Einigungsvertrag das außenpolitische Ansehen Deutschlands schwer beschädigten. Jetzt beschloß er aufs Altenteil zu gehen und guckte sich am Wochenende bei der Bundesversammlung des BdV in Berlin den Streit um seine Nachfolge von der Zuschauerbank aus an. Und der war heftig. Nach einem Abstimmungsduell mit dem rechtskonservativen Pan-Europa Delegierten und BdV-Vizepräsidenten Rudolf Wollner ging der bayerische CSU- Bundestagsabgeordnete Fritz Wittmann mit 67 zu 36 Stimmen als Sieger hervor. Der neue Präsident – als Berufspoltiker ist der derzeitige Vorsitzende des Verteidigungsausschusses mit allen parlamentarischen Wassern gewaschen – soll das von Czaja kaputtgeschlagene Ansehen wieder reparieren.

Ob ihm das glückt, ist fraglich, denn Wittmanns Jungfernrede im Reichstag wird die Tschechische Republik nicht freuen. Der gebürtige Sudentendeutsche erklärte nämlich, daß er sich für eine „bessere Ostpolitik“ einsetzen werde. Die Nachbarschaftsverträge müßten „nachgebessert“ werden, seien „nicht der Weisheit letzter Schluß“. Und er versprach, „das verletzte Rechtsbewußtsein der Heimatvertriebenen zu heilen“, sich insbesonders mit der Frage des „deutschen Eigentums an Grund und Boden“ in den östlichen Nachbarländern zu beschäftigen. Die Sudentendeutsche Landsmannschaft will auch das Vermögen entschädigt haben, das in der Tschechoslowakei vor 1948 enteignet wurde. Die ersten Bonner Stellungnahmen zu Wittmanns Wahl waren vorsichtig. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Vertriebene in Bonn, Hartmut Koschy, meinte, die Vertriebenen blieben weiterhin eine „schwierige Gruppe“. Der SPD-Innenexperte Willfried Penner sagte, daß auch in Zukunft der Einfluß der Vertriebenen auf den national-konservativen Flügel der Union beträchtlich sein werde. Ihr Wählerpotential sei „beachtlich“. Nach eigenen Angaben hat der BdV 1,5 Millionen Mitglieder. aku

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