: Neue Weltordnungen und alte Königshäuser
■ Auch der libysche König möchte ein Stück von Macht
Kairo (taz) — Wie in Rumänien, Kambodscha und Afghanistan schlägt mit der Neuen Weltordnung auch in Libyen wieder die Stunde der alten Königshäuser. Mit dem Neffen des letzten Königs Idris meldete sich das Königshaus Sanusi Mitte der Woche das erste Mal seit seinen glorreichen Tagen vor 23 Jahren zu Wort. „Der Herrschaftsanspruch der Familie Sanusi bleibt bestehen“, erklärte Emir Muhammad Al-Hassan Al-Rida Al-Sanusi in einem Interview mit der libanesisch/britischen Zeitung 'Hayat‘. Oberst Muammar el-Gaddafi habe die Macht geraubt und sei nicht der rechtmäßige Herrscher Libyens, fuhr seines Majestäts Neffe fort. In der „Revolution vom 1.September“ wurde die monarchistische Regierung 1969 von einer Gruppe Offiziere unter der Führung Gaddafis gestürzt. Obwohl die Putschisten mit dem arabischen Nationalisten Gamal Abdel Nasser sympathisierten, ging König Idris Sanusi ins nasseristische Kairo ins Exil. Heute lebt die Monarchenfamilie in London. Die Sanusis beherrschten autokratisch das politische Leben und den städtischen Handel Libyens. Mit den Kolonialmächten versuchte man sich königlich zu arrangieren. Am 12.Dezember 1951 verlas König Idris die libysche Unabhängigkeitserklärung. Anschließend errichtete er eine konstitutionelle Monarchie, an deren Spitze er sich selbst setzte. Zahlreiche daraufhin gewählte Parlamente blieben weitgehend machtlos. 1952 wurden Parteien kurzzeitig ganz verboten. Am Vorabend der Machtübernahme Gaddafis galt Libyen als eines der ärmsten Länder der Welt, ohne den bis dahin entdeckten Rohstoff Öl, ohne eine funktionierende einheimische Führungselite und mit einer Analphabetenrate von 90 Prozent. Trotz seiner Antipathie gegen Gaddafi äußert sich der Königsneffe Rida diese Woche zurückhaltend und bedacht über die gegenwärtige Situation in Libyen, verbunden mit der Lockerbie-Affäre und dem Embargobeschluß des UN-Sicherheitsrates. Er warnte vor militärischen Operationen, durch die unschuldige Bürger zu Schaden kommen könnten, und plädiere für eine politische Lösung. Falls man zu Gewaltmaßnahmen greife, um Gaddafi zu stürzen, könnte es aufgrund von Empfindlichkeiten zwischen den verschiedenen libyschen Stämmen zu einem Bürgerkrieg kommen, warnte Rida. Eine neue Regierung ohne Berücksichtigung des Königshauses lehnte er ab und erklärte: „Wir sind bereit, zurückzukehren, wenn es uns der Wille Allahs und das Volk zur Pflicht machen!“ Karim el-Gawhary
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