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Neue Freundschaft mit Vietnam

■ Französischer Präsident Mitterrand zu erstem Besuch eines westlichen Staatschefs in Hanoi/ Ende eines „schmerzlichen Kapitels“/ Vietnamesische Regierung hofft auf Impulse zur Wirtschaftsbelebung

Hanoi (AFP) – Knapp vierzig Jahre nach Frankreichs Niederlage in Dien Bien Phu und dem Ende seiner Kolonialmacht in Indochina hat der französische Staatspräsident Francois Mitterrand gestern einen 48stündigen Besuch in Vietnam begonnen. Damit will er „ein schmerzliches Kapitel“ im beiderseitigen Verhältnis beenden und eine neue Grundlage für enge Beziehungen entwickeln.

Mitterrand wurde mit allen Ehren vom vietnamesischen Staatschef Le Duc Anh im Präsidentenpalast von Hanoi empfangen, dem ehemaligen Sitz der französischen Kolonialmacht in Indochina. Auf seinem Programm standen auch Gespräche mit dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Do Muoi, und dem 87 Jahre alten ehemaligen Ministerpräsidenten Phan Van Dong, der die Delegation seines Landes bei den Genfer Unabhängigkeitsverhandlungen von 1954 führte. Zur Begleitung des Präsidenten gehören Außenminister Roland Dumas und vier weitere Minister sowie Unternehmer wie die Direktoren des Pharmakonzerns Roussel-Uclaf, der Erdölgesellschaft Total und der Fluggesellschaft Air France.

An den ersten Besuch eines westlichen Staatschefs seit Ende des Vietnamkriegs knüpft die Regierung in Hanoi die Erwartung einer Belebung seiner Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland. Von diplomatischer Seite hieß es, die französisch-vietnamesische Begegnung sei ein Signal, daß sich Paris für die Rückkehr Vietnams auf die Liste der kreditwürdigen Länder des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank einsetzen wolle. Eines der Haupthindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist bisher noch das US-Embargo, das Hanoi von internationalen Krediten ausschließt. Nach dem Übergang Vietnams zur Marktwirtschaft sehe Paris darin einen „Anachronismus“, wie Präsidialamtssprecher Jean Musiteli kürzlich klarstellte.(Siehe auch Seite 10)

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