Neue App Pokémon Go: Spiel ohne Grenzen

Der Hype um das digitale Spiel Pokémon Go von Nintendo hält an. Doch nicht überall sorgt das Nutzerverhalten für Begeisterung.

Ein Hand hält ein Mobiltelefon, auf dem Pokemon Go läuft

Manche Spieler wissen nicht, wo Schluss ist Foto: reuters

WASHINGTON/SYDNEY/DEN HAAG dpa/afp | Spieler der neuen App „Pokémon Go“ zücken auch in Gedenkstätten ihre Smartphones, um nach den kleinen Figuren Ausschau zu halten – und die Einrichtungen sind nicht glücklich darüber.

So forderte der Arlington-Ehrenfriedhof in Washington die Besucher im Online-Netzwerk Twitter auf, das sein zu lassen, weil es unangemessen sei. Auch das Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt appelllierte an die Besucher über den Kurznachrichtendienst, respektvoll beim Einsatz von Technik zu sein. Man versuche, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen, erklärte ein Sprecher dem Sender NPR am späten Dienstag.

Bei der App sind „Pokémon“-Figuren an diversen Orten platziert, ein Spieler muss in der Nähe sein, um sie auf dem Smartphone-Bildschirm zu sehen und fangen zu können. Die Entwickler – Nintendos Pokémon Company und die Spielefirma Niantic Labs – geben die Möglichkeit, unangemessene Orte zu melden.

Niantic – damals noch als Google-Tochter – hatte im vergangenen Jahr schon ähnlichen Ärger in Deutschland. In dem ebenfalls ortsbasierten Spiel „Ingress“ wurden einiger der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Nazi-Konzentrationslagern platziert. Nach Kritik wurden sie schnell aus der Nähe der Gedenkstätten entfernt. „Pokémon Go“ greift auch auf Datenbanken von „Ingress“ zurück. In Deutschland ist die App seit Mittwoch offiziell verfügbar.

Unterdessen meldete die Polizei der A&M University in Texas auch einen Auffahrunfall im Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer stellte seinen Wagen regelwidrig ab, um auszusteigen und ein Pokémon zu fangen, wie die Polizei bei Twitter erklärte. Ein anderes Auto fuhr von hinten auf.

Polizeieinsatz in Sydney

Hunderte Australier haben mitten in der Nacht auf der Suche nach virtuellen Pokémon-Figuren in einem Vorort von Sydney so viel Krach gemacht, dass die Polizei kommen musste. Es sei das komplette Chaos gewesen, berichteten Anwohner der Zeitung Sydney Morning Herald.

Einige Anwohner schütteten nach Medienberichten im Stadtteil Rhodes kübelweise Wasser aus ihren Fenstern, um dem nächtlichen Radau ein Ende zu machen, aber vergeblich. Schließlich riefen sie die Polizei. Die verwarnte einige Spieler und löste die Ansammlung auf.

Ärger auch in Amsterdam

Bereits am Dienstag hatte die Begeisterung für das Smartphone-Spiel in einem Krankenhaus in Amsterdam für unliebsame Vorfälle gesorgt. Das Akademische Medizinische Zentrum (AMC) in der niederländischen Metropole sah sich am Dienstag gezwungen, Besucher aufzufordern, beim Spielen von Pokémon Go nicht mehr in nicht-öffentliche Bereiche des Krankenhauses einzudringen.

„Es gibt tatsächlich ein krankes Pokémon im AMC, aber wir sorgen gut für es. Bitte besucht es nicht“, teilte die Klinik im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Beigefügt war ein Bild der Pokémon-Figur Pikachu neben einer Taschentücher-Box.

Krankenhaus in Amsterdam

„Es gibt tatsächlich ein krankes Pokémon im AMC, aber wir sorgen gut für es. Bitte besucht es nicht“

„Seit gestern ist uns aufgefallen, dass junge Leute mit Smartphones im Gebäude herumlaufen und in Bereiche gehen, in denen sie nicht sein sollten“, sagte die AMC-Sprecherin Loes Magnin der Nachrichtenagentur AFP. Einige Spieler hätten sich sogar im Keller des Krankenhauses wiedergefunden, wo unter anderem Kleidung desinfiziert wird. „Die Patienten brauchen Ruhe und Erholung“, mahnte Magnin.

Doch nicht nur dem Krankenhaus macht Pokémon Go zu schaffen. Die niederländische Bahn-Aufsicht ProRail bat Nintendo um Änderungen an der Spiele-App, nachdem manche Spieler unwissentlich auf Gleise geraten waren.

Laut einem Bericht des niederländischen Rundfunks gingen in den vergangenen Tagen zudem bei der Polizei Beschwerden über verdächtige Mobilfunknutzer ein, die Häuser fotografieren. Der Verdacht, es handele sich um Einbrecher, die neue Ziele auskundschafteten, erhärtete sich nicht. Die auffälligen Handynutzer entpuppten sich vielmehr als Pokémon-Go-Spieler.

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