: Nebenwirkung Umweltschutz
Lüneburger Forscher entwickeln leichter abbaubare Antibiotika. Nun suchen sie Partner in der Wirtschaft
Die Leuphana Universität in Lüneburg hat zwei Patente für Antibiotika registriert, die in der Umwelt leichter abgebaut werden können als bisherige Wirkstoffe. Nun wird ein Pharmaunternehmen gesucht, das die Arzneimittel in klinische Studien gibt und auf den Markt bringt.
Zu den wichtigsten Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Infektionen und Entzündungen gehört Ciprofloxacin. Es ist aber besonders schwer abbaubar. „Es ist uns gelungen, mit CipBio und Cip-Hemi zwei Varianten zu entwickeln, die abbaubar sind“, sagte Professor Klaus Kümmerer, der das Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie der Uni leitet, der Deutschen Presse-Agentur. Die Alternativen zum herkömmlichen Antibiotikum würden in der Umwelt teilweise sogar zu Kohlendioxid und Wasser mineralisiert.
Die Laborphase mit der chemisch-synthetischen Herstellung, dem Wirksamkeitsnachweis und positiven Ergebnissen für weitere Anforderungen ist abgeschlossen, es könnten zusätzliche Untersuchungen starten und Daten erhoben werden. Dafür braucht das Forscherteam einen zahlungskräftigen Partner, der im großen Rahmen forscht. „Gut wäre es, wenn so ein Arzneimittel, das unter anderem gegen Blasenentzündungen und andere bakterielle Infektionen hilft, in wenigen Jahren in einer Apotheke zu kaufen wäre“, meint Kümmerer.
Druck für umweltverträgliche Arzneien
Das Projekt startete 2014 und wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 460.000 Euro gefördert. „Es gab viel Skepsis, es hieß, das kann doch gar nicht funktionieren“, erzählt der Umweltwissenschaftler. „Aber keines der Verfahren in Kläranlagen kann alle Stoffe entfernen. Und wir wissen nicht, was das Wasser mit unseren Kindern macht, wenn das Grundwasser so belastet ist.“ Daher war er an einer anderen Lösung interessiert.
Auch Wirkstoffe wie Diclofenac oder Psychopharmaka seien ein Problem im Wasser, unter anderem auch für Fische, die ihr Verhalten unter Einfluss von Medikamenten nach Studien örtlich änderten. Wissenschaftler Kümmerer, der unter anderem auch die Weltgesundheitsorganisation WHO berät, wünscht sich mehr Druck aus der Politik für umweltverträgliche Arzneimittel. „Wir haben ein Riesenpotenzial vor uns und für die Industrie ist es ein neues Geschäft“, betont der 61-Jährige. Dennoch sei die Skepsis groß – der Markt für herkömmliche Mittel sei lukrativ. (dpa)
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