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Nazis am Mahnmal

Nachdem die NPD zurückgezogen hat, mobilisieren nun „Kameradschaften“ gegen das Holocaust-Mahnmal

Nachdem die NPD aufgrund des öffentlichen Drucks auf ihre Demonstration vor dem künftigen Holocoust-Mahnmal verzichtet hat, springen nun die so genannten freien Kameradschaften in die Bresche. Eine Gruppe von Neonazis plant am 27. Januar eine Demonstration am Gelände für das Holocoust-Mahnmal am Brandenburger Tor.

Die Demonstration sei noch nicht angemeldet, die Behörde habe jedoch klare Hinweise darauf, dass sie geplant sei, sagte ein Sprecher der Innenverwaltung und bestätigte damit teilweise einen Radiobericht. Es handele sich um eine Gruppierung, die nicht mehr als feste Organisation unter den Neonazis agiere, sondern als so genannte Kameradschaft. Die Innenverwaltung werde alle Möglichkeiten eines Verbots prüfen. Dieses könne jedoch nur zeitnah ausgesprochen werden, so der Sprecher.

Oliver Schweigert, einem der führenden Köpfe der Berliner Nazi-Kameradschaften, war die geplante Demonstration gestern jedoch nach eigenen Angaben noch nicht bekannt. „Ich habe davon auch erst aus dem Radio erfahren“, sagte er der taz. Er habe aber keinen Überblick, „was die anderen Gruppen planen“. Jetzt müsse man sehen, wie ernsthaft die Aktion überhaupt gemeint sei. Grundsätzliche begrüße er jede öffentliche Initiative gegen das Mahnmal. Nazi-Anführer Schweigert: „Hauptsache, es passiert was.“

Der 27. Januar ist dem Gedenken an die Opfer des NS-Regimes gewidmet. An diesem Datum wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Am 27. Januar 2000 war die symbolische Grundsteinlegung für das Mahnmal in Berlin begangen worden. Die NPD hatte zunächst eine Demonstration für denselben Tag angemeldet, sie dann aber nach öffentlichen Protesten zurückgezogen. Auch eine für den Samstag geplante NPD-Demonstration im Bezirk Köpenick ist nach Protesten örtlicher Antifa-Gruppen mittlerweile abgesagt worden. Die Anmeldung sei zurückgezogen worden, bestätigte ein Polizeisprecher. ROT

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