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■ Das PortraitNadia Comăneci

Ein Platz in der Geschichte des Sports ist Nadia Comăneci sicher. Ihren Ruhm kann sie selbst 10 Jahre, nachdem sie sich vom Turnen verabschiedet hat, noch immer genießen: In den Vereinigten Staaten, ihrer Wahlheimat, ist sie nicht nur populär, sondern ein Mythos. Und in Rumänien, ihrem Geburtsland, jubelt ihr die Öffentlichkeit auch jetzt zu. Vielleicht sogar mehr, vielleicht auch nur überzeugender als unter dem Diktator Ceaușescu – als der Kult um sie Pflicht war. Ist das die Entschädigung?

Nadia Comăneci begann mit 6 Jahren zu turnen und kam auf eine jener osteuropäischen Sportanstalten, auf denen Talente herangezüchtet wurden. Mit 14 hatte der wegen seiner Härte berüchtigte Trainer Béla Károly sie soweit. Sie wurde 1975 vierfache Turn-Europameisterin, ein Jahr später dreifache Olympiasiegerin in Montreal. Sie avancierte zum Weltstar. Und trug zur Entstehung des Begriffes „Kindersport“ bei. Eine Kindheit hatte Nadia Comăneci nicht. Dafür gab es in Rumänien Jubelbiographien und Bildbände über sie – noch bevor sie 18 Jahre alt war.

Die Punktrichter, gerade noch „bezaubert von dem anmutigen Turnkücken“, schrieben Nadia Comăneci zwei Jahre nach ihren Olympiasiegen ab. Sie war 10 Zentimeter gewachsen und hatte 12 Kilogramm zugenommen. Doch sie „meisterte ihre Krise“. In Moskau wurde sie 1980 noch einmal zweifache Olympiasiegerin und hörte dann 1981 mit dem Turnen auf. Für ihre „Verdienste um den Turnsport“ verlieh ihr IOC-Fossil Samaranch den Olympischen Orden.

Nach der Flucht 1989 Foto: AP

Auch in ihrer Rolle als „bester Exportartikel“ des Ceaușescu-Clans hatte sie bald ausgedient. Sie freundete sich mit Ceaușescus Sohn Nicu an. Der Alkoholiker machte sie zu seiner Spielzeugpuppe und soll sie (worüber sie nicht spricht) mißhandelt und vergewaltigt haben. Schließlich floh sie Ende 1989 in die USA. Dort zog die Presse bald über ihr „unmoralisches Verhalten“ her. Grund: Ihr Fluchtbegleiter hatte Frau und Kinder verlassen.

Mittlerweile zeigt sich das Schicksal für die 33jährige von der besseren Seite. Amerika hat ihr „verziehen“ und belohnt sie mit lukrativen Werbeverträgen. Am vergangenen Sonnabend verlobte sie sich mit Bart Conner, einem US-Turner, mit dem sie laut eigener Aussage sehr glücklich ist. Am Sonntag wird Nadia Comăneci in Bukarest erwartet – zu ihrem ersten Besuch in Rumänien seit ihrer Flucht vor fünf Jahren. Keno Verseck

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