Sanssouci: Nachschlag
■ Die Octopussy-Posse will die Partywelt aufreißen und posierte jetzt erst einmal im Matrix
Wir sind die Octopussies ... Wir wollen Spaß, Hysterie, Exzeß... Kommt alle ins Matrix ... Party, Party, Party ... Kann man so viel gute Laune an einem einzigen Abend verkraften? Seit Wochen sind die Octopussies Szenegespräch; so warteten alle, die sich irgendwie hip fühlen, auf den letzten Donnerstag, an dem die Octopusssies zum erstenmal in größerem Stil die Partywelt aufreißen wollten. Sollte etwa gar ihr Geheimnis gelüftet werden?
Wer verdammt noch mal sind die Octopussies? Eine getarnte Partnerschaftsbörse? Ein Zusammenschluß von girlies um die Dreißig? Sexbesessene, postfeministische Hauptstadtfrauen? Die erste Berliner Mitfeierzentrale? Oder doch nur ein billiger PR-Trick? Soviel steht fest: Joy, Pain, High und Angel sind die Decknamen von Frauen, die fast alles wollen: Spaß und Geld. Deshalb haben sie den „Octopussies World Club“ gegründet, der Clubtouren veranstaltet und bereits nach wenigen Wochen bundesweit über 700 Mitglieder gewonnen hat, zu 80 Prozent Frauen. Und wenn kurzbehoste und langbestiefelte Frauen generalstabsmäßig Spaß organisieren, will vor allem ein Geschlecht nicht fehlen: das andere.
Das erste, was an jenem Donnerstag beim Betreten des Matrix, eines ehemaligen Fabrikgebäudes, ins Auge sticht, ist der fette weiße Schriftzug „Kasse“. Erhöht nicht unbedingt den Spaßfaktor, erleichtert den Besucher aber um 15 Mark. Joy und Pain, man kennt ihre Gesichter aus „Frontpage“ und „Flyer“, hüpfen aufgeregt zwischen Gästeliste und Türsteher hin und her. Die Tanzfläche ist noch leer, Techno klopft aus den Boxen, und ein Projektor wirft einen achtarmigen Tintenfisch mit knallroten Lippen an die Wand. Unterschied zu sonstigen Parties: Hinter Bartheken und Plattentellern stehen ausnahmslos Frauen. Dafür wandern um so mehr Typen ziellos durch die Halle oder hängen eher freudlos in den Sesseln der VIP-Lounge. Das Problem: Wer mit einer Frau ins Gespräch kommen will, hat nur an der Bar eine Chance und muß ein Fläschchen „Starkstrom“ ordern.
Nach Mitternacht füllt sich der Laden mit Technokids, Freaks und anderen blassen Käfern; Joy und Pain lassen auf einem kleinen Podium die Hüften kreisen und sind damit beschäftigt, aus einem Aquarium ein ungeheuerliches orangefarbenes, kostenloses Gesöff zu schöpfen – eine Art Freikater für alle. Während die etwa 200 Gäste vom Exzeß noch Lichtjahre entfernt sind, wird endlich klar, was es nun mit der Octopussy-Posse auf sich hat. „Wir wollen nur Spaß, das ist alles“, sagt Joy im Chor mit den anderen. „Aber unser Geheimnis wird nicht verraten.“ Sie haben nämlich (noch) keins. Wolfgang Farkas
Es gibt weder einen festen Club noch feste Termine, aber der Octopussies World Club will weitermachen, Kontakt c/o Technomedia, Tauentzienstraße 7 b/c, 10789 Berlin
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