Nach dem Spiel auf dem Kudamm: Schminke, Scherben, Schlaaand!
Auf dem Kudamm klappt das mit der Integration, die Berliner Polizei zeigt Doppelbeflaggung und ein Flaschensammler macht das Geschäft seines Lebens.
22.55 Uhr. Deutschland im Finale, auf geht's zum Ku'damm. Erst gähnende Leere in der U6, danach Remmi-Demmi in der S-Bahn Richtung Zoologischer Garten. "Wer nicht hüpft, der ist kein Deutscher, hey, hey." Dazu immer wieder: "Finale, oho, Finale, ohohoho".
Angekommen auf dem Berliner Prachtboulevard sind die Hooligans des BFC schon da. Doch die stets freundlichen Anhänger des ehemaligen Stasi-Klubs werden sofort abeskotiert.
Stattdessen: Deutsche und Türken Hand in Hand, selbst beim Böller zünden. Hier klappt sie prima, die oft gescholtene Integration. Ansonsten, Business as usual auf der Berliner Autokorso-Strecke: Auto rütteln, Bier spritzen, nicht zu vergessen die "Schlaaaand!"-Rufe an allen Ecken und Enden. Das Publikum: Zwischen 15 und 35; feingeschminkte Mädels in kurzen Röcken mit charmanten schwarz-rot-goldenen Ohrringen. Ihre Augen glänzen, die ihrer halbstarken Freunde auch - Beck's und Co. machen's möglich. Michi aus Bayern setzt wieder zum nächsten, jetzt wirklich ultimativem Jubeln an, alle fallen ein.
Doch es gibt auch Ausnahmen. Xuong aus Vietnam ist so eine. Mit zwei großen Ikea-Taschen hetzt er durch die Menge, klaubt leere Flaschen auf. Sind die Taschen voll, hetzt er zu seiner Frau am Straßenrand. Rein in den Einkaufswagen und weiter geht's. Xuong strahlt angesichts der Ausbeute an diesem Abend.
Mitternacht. Alles immer noch brechend voll. Strahlend schieben auch die drei Polizisten an der Ecke Joachimsthaler Straße ihren Dienst - der einzige Wagen weit und breit. Dem Verbot der Berliner Polzeidirektion zum Trotz haben sie Fahne gehisst. Und das auch noch doppelt: Halbmond trifft Schwarz-Rot-Gold. "Das kommt echt gut an", erzählt ein junger Beamter. "Da nehmen wir das Verbot nicht so wichtig." Auch sonst gilt eher das legere Motto: Statt Strafe gibt's ne augenzwickernde Ermahnung. Und was sind schon ein paar Scherben.
0:17, ein Fernsehteam der ARD taucht auf. Schweinwerferlicht an, Live-Schalte, sofort eine Traube um Reporter Justus Kliss. Frenetischer Jubel, nach drei Minuten alles vorbei, die Massen verteilen sich wieder, feiern weiter. Der Reporter gönnt sich ein Bierchen, meint: "Das geht sicher noch die ganze Nacht. Herrlich, wie friedlich alle miteinander feiern."
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