Nach Clinton-Visite in Nordkorea: "Provokatives Verhalten stoppen"

US-Präsident Barack Obama fordert Nordkorea zum Stopp des umstrittenen Atomprogramms auf und betont den "humanitären" und privaten Charakter von Clintons Reise nach Pjöngjang.

Die USA wollten "das Wohl des nordkoreanischen Volkes", so Obama. Bild: dpa

WAKARUSA/LOS ANGELES afp | Nach der Rückkehr der von Nordkorea begnadigten US-Journalistinnen hat US-Präsident Barack Obama das kommunistische Land aufgefordert, sein umstrittenes Atomprogramm aufzugeben. Zudem müsse Pjöngjang sein "provokatives Verhalten" beenden, sagte Obama am Mittwoch (Ortszeit). Das US-Außenministerium forderte Nordkorea im Ringen um ein Ende des Atomprogramms auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Es gebe für Nordkorea nur "einen Weg für bessere Beziehungen", sagte Obama dem US-Sender MSNBC in seinem ersten Interview nach der Ankunft von Laura Ling und Euna Lee in den USA. Dazu müsse Pjöngjang die Entwicklung von Atomwaffen stoppen und sein "provokatives Verhalten beenden". Der US-Präsident appellierte an die Führung des Landes, entsprechend der Regeln der internationalen Gemeinschaft zu handeln. Die USA wollten "das Wohl des nordkoreanischen Volkes".

Pjöngjang müsse im Ringen um sein Atomprogramm an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Wood. Nordkorea sei nun "am Ball". Die Führung des Landes hatte sich im April aus Protest gegen die Verurteilung eines Langstreckenraketentests durch den UN-Sicherheitsrat aus den Sechser-Gesprächen mit China, Japan, Russland, Südkorea und den USA zurückgezogen. Ende Mai erfolgte Nordkoreas zweiter Atomwaffentest.

Obama betonte, dass es sich bei der Reise seines Vorvorgängers Bill Clinton um einen private, "humanitäre Mission" gehandelt habe, die nicht als Lockerung des diplomatischen Drucks auf den stalinistisch geführten Staat gedeutet werden dürfe. Clinton hatte mit seinem Überraschungsbesuch in Nordkorea am Dienstag die Begnadigung und die Freilassung der beiden US-Journalistinnen Lee und Ling erreicht. Unter Tränen schlossen sie am Mittwoch im kalifornischen Burbank ihre Familien in die Arme.

"Danke euch allen", schrieb Ling nach ihrer Rückkehr in ihrem ersten Eintrag auf der Internet-Plattform Twitter. "Ich bin unglaublich müde, aber so glücklich wieder frei zu sein."

Zu den Umständen ihrer Haft machten Ling und Lee bisher keine genauen Angaben. Zunächst wurde lediglich bekannt, dass beide einen Großteil der Zeit getrennt voneinander verbracht haben. Die Frauen hätten sich nur in den ersten Tagen nach ihrer Festnahme sehen können, sagte Lings Schwester Lisa dem US-Sender KTLA.

Die restlichen viereinhalb Monate seien sie dann getrennt gewesen. Die beiden Frauen waren Mitte März an der Grenze zu China festgenommen worden, als sie dort über nordkoreanische Flüchtlinge berichten wollten.

Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, bewertete das Treffen Clintons mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il als Erfolg. "Die Reise könnte ein Eisbrecher in den Gesprächen sein", sagte er der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeine". Sie habe die Gelegenheit geboten,"neue Wege in der Diplomatie zu beschreiten, ohne die offizielle US-Position preiszugeben oder zu schwächen", sagte der Ex-Botschafter.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de