piwik no script img

NRW: FH-Studierende im Warnstreik

Nordrhein-Westfalens FachhochschülerInnen protestieren gegen Numerus clausus und „KW“-Vermerk  ■ Aus Münster Thomas Dreger

Studierenden geht es schlecht, FachhochschülerInnen schlechter, FachhochschülerInnen des Bereichs Sozialwesen allerdings geht es am schlechtesten. So jedenfalls sehen es die Betroffenen in NRW. Die Probleme sind die altbekannten: zuwenig Studienplätze für zuviele Studierende, kein Geld, keine Hörsäle, keine Dozenten. Als dann auch noch die NRW-Landesregierung für das kommende Semester einen Numerus Clausus beschloß, traten die Studierenden an der FH-Münster in einen einwöchigen Warnstreik mit Protestaktionen, der heute zu Ende geht. Die Lehrenden, die aus arbeitsrechtlichen Gründen erscheinen mußten, verzichteten auf Vorträge ohne Publikum. Professor Dr. Leonard Lahrmann hielt vor 200 Hörern sogar eine Open-Air-Protestvorlesung vor dem Stadthaus. Auch Dekan Alterhoff machte aus seinem Ärger keinen Hehl: „Die Situation ist katastrophal. Die Zahl der Professoren sank um 3,8 Prozent, die Zahl der Studenten in NRW stieg um 78 Prozent.“

Neben der Rücknahme des NC's fordern die Studierenden die Streichung des sogenannten „KW-Vermerks“. „KW“ bedeutet in bestem Bürokratendeutsch „künftig wegfallend“ und bezeichnet Lehrstellen, die nach Willen der Landesregierung in den kommenden Jahren schleichend gestrichen werden sollen. In Münster geht es dabei um fünf Stellen. Der Ärger über „NC“ und „KW“ hat auch andere Fachhochschulen in NRW ergriffen. In Düsseldorf wurde bereits vom 28.10. bis zum 9.11. gestreikt. In Köln steht der Ausstand kurz bevor. In Dortmund wollen die künftigen Sozialarbeiter und -pädagogen dem Wissenschaftsministerium pro Kopf 0,10 DM spenden, gegen Quittung natürlich. Protestaktionen werden auch in Bochum, Essen, Bielefeld und Hagen vorbereitet. Am 27.11. ist in der Landeshauptstadt ein gemeinsamer Sternmarsch geplant.

Offenbar um den Streikenden etwas die Luft aus den Segeln zu nehmen, gab NRW-Wissenschaftsministerin Anke Brunn am Dienstag bekannt, im kommenden Jahr seien für die FH-Münster zwei neue Stellen beim Maschinenbau und je eine bei Elektrotechnik und Chemieingenieurswesen eingeplant.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen