Muslimische Friedhöfe in Berlin

Senat will Platz schaffen

Auf den muslimischen Friedhöfen wird es eng. Der Senat glaubt jetzt, eine Lösung dafür gefunden zu haben.

Ganz schön eng: Besucher auf dem Friedhof der Sehitlik-Moschee beim Tag der offenen Moschee. Bild: dapd

Der Senat will mehr muslimische Friedhöfe in der Stadt. Angestrebt werde eine dezentrale Versorgung mit entsprechenden Friedhofsflächen im näheren Umfeld von Wohnvierteln, wo viele Muslime wohnen, erklärte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Abgeordnetenhaus.

Neben der Erweiterung der Flächen des ältesten muslimischen Friedhofs am Columbiadamm werde auch geprüft, ob es auf anderen innerstädtischen Friedhöfen Flächen für die Einrichtung islamischer Grabfelder gibt. Neben städtischen Friedhöfen und Friedhofsteilen kämen dabei grundsätzlich auch konfessionelle Begräbnisstätten in Betracht. Eine Klärung, ob christliche Friedhöfe von Muslimen genutzt werden können, könne aber nur von den Glaubensgemeinschaften selbst herbei geführt werden.

Eine weitere mögliche Variante sei ein Friedhof, der von den Muslimen selbst getragen wird. Hier müsse sich aber zuvor ein geeigneter Träger herausbilden, der die Gewähr bietet, das der Friedhof allen Muslimen der verschiedenen Glaubensrichtungen offensteht.

Die beiden bisherigen muslimischen Grabstätten auf dem Friedhof Columbiadamm in Neukölln und auf dem Landschaftsfriedhof Gatow im Bezirk Spandau haben ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Am Columbiadamm findet Ende Oktober die vorerst letzte Beerdigung statt, der Gatower Friedhof wird voraussichtlich zum Jahresende voll belegt sein. Zudem gilt er als zu abgelegen.

Der Columbiadamm soll zwar auf das benachbarte Tempelhofer Flugfeld erweitert werden, aber das favorisierte Teilstück ist eine bei der Bevölkerung beliebte Picknick-Area und soll nach dem Willen von Senat und Bezirk dafür weiterhin zur Verfügung stehen.

Berlin hat zu viel Friedhofsfläche für zu wenig Einwohner. Die meisten der Friedhöfe sind im landeseigenen Besitz oder sind Eigentum der evangelischen Kirche. Mit insgesamt mehr als 1.170 Hektar Begräbnisstätten gilt die Stadt bundesweit als Friedhofsmetrepole. Das Überangebot soll laut dem 2006 verabschiedeten Friedhofsentwicklungsplan langfristig zu einem Drittel anders genutzt werden, etwa als Park, Kleingarten- und Sportanlage oder als Bauland. Allein 38 Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 87 Hektar sind derzeit bereits geschlossen. (epd)

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