Münchner Flughafenausbau: Gegen Münchner Startbahn Nummer drei

10.000 Menschen demonstrierten am Samstag in der Münchner Innenstadt gegen Pläne für einen Flughafenausbau. Viele von ihnen gehören zum bürgerlichen Milieu, das sonst CSU wählt.

Die Mitglieder einer Bürgerinitiative gegen die dritte Start- und Landebahn. Bild: dpa

MÜNCHEN taz Hartmut Binner war sein Leben lang ein "Schwarzer", sagt er. Wann immer gewählt wurde, machte er sein Kreuz bei der CSU, ohne große Fragen zu stellen. Nun demonstriert er gegen die "Schwarzen" - weil er den Ausbau des Münchner Flughafens verhindern will.

Hartmut Binner hat eine Demonstration gegen eine neue Startbahn organisiert, und an diesem Samstagmittag folgen dem 69-jährigen in der Münchner Innenstadt 10.000 Menschen. "Die 3. Bahn, des ist ein Schmarrn", steht auf Transparenten, oder "Moosburg sagt nein". Das Aktionsbündnis gegen den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen, "aufgeMUCkt", hatte sich mit dem Bund Naturschutz Bayern zusammengetan, um gegen mehrere Ziele der bayrischen Staatsregierung zu kämpfen: den Ausbau der Autobahn A 94 und den Bau einer neuen Donaustaustufe. Aber die meisten sind hier wegen des Flughafens. Als die Demonstranten an der bayerischen Staatskanzlei vorbeikommen, pfeifen sie laut und Hartmut Binner lächelt zufrieden: "Ich bin seelig."

Es sei eine Demonstration gewesen, wie man sie sich wünsche, wird die Polizei später mitteilen. Keine Provokationen, keine Krawallmacher. Viele haben ihre Kinder mitgebracht, einige tragen Lederhosen und Dirndl. Eine Kapelle spielt den bayerischen Defiliermarsch. Es ist die bürgerliche Mitte, die hier ihrem Ärger Luft macht. Genau die Leute, die die CSU gern als Wähler hätte.

"Die Staatsregierung weiß noch nicht, wie empört die Menschen sind", meinte Binner schon, als er drei Tage vor der Demonstration durch Freising, eine Stadt im Norden Münchens, fuhr. Alle zwanzig, dreißig Meter hing ein gelbes Plakat, das für die Demo warb. Freising wäre von einer neuen Startbahn am Münchner Flughafen am meisten betroffen, denn hier wirkt sich der Fluglärm besonders aus.

Freising war für die CSU bisher immer ein gutes Pflaster. Bei der vergangenen Landtagswahl holte sie hier über 50 Prozent der Stimmen. Als 1992 im benachbarten Hallbergmoos der neue Münchner Flughafen eröffnet wurde, siedelten sich in der Gegend viele Firmen an. Das brachte Freising nahezu Vollbeschäftigung. Der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber prahlte gerne mit der Vorzeigestadt für seine Wirtschaftspolitik.

Als sein Nachfolger Günther Beckstein Ende August auf Wahlkampfbesuch nach Freising kam, standen schon über 1.000 Menschen auf dem Marktplatz und pfiffen - volle sechzig Minuten lang. "Pfeifenköpfe", rief der erboste Beckstein den Bürgern zu.

Der Demo-Organisator Binner zeigt auf einer Landkarte das Problem, das die Freisinger mit dem Flughafen haben: Die dritte Startbahn liegt zwischen ihrer Heimatstadt und dem jetzigen Flughafengelände. Das bedeutet: Der Flugverkehr, der bisher meist an der Stadt vorbeiging, würde dann auch über einzelne Ortsteile führen. Die Abgas- und Lärmbelästigung wäre enorm. "Wir sind keine Flughafengegner", sagt Binner. "Wir sind Startbahngegner."

Die Bürger fühlen sich von der CSU nicht ernst genommen, auch von der SPD nicht. Denn die hat in der Stadt München das Sagen. Die Stadt ist Gesellschafter des Flughafens und tut nichts gegen die Ausbaupläne. Bei der Kommunalwahl im Frühjahr gab es in Freising die Quittung: Die CSU und SPD scheiterten schon im ersten Wahlgang.

CSU-Chef Erwin Huber äußerte sich angesichts der Demonstration nur schriftlich. Man sei sich der Belastung für die Anwohner zwar bewusst, sagte Huber. Aber die Flughafenerweiterung sei eben "von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Bayern".

BERNHARD HÜBNER

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