Münchens OB und der FC Bayern: Der rote Reiter zieht die Notbremse
In München diskutiert man über die gut bezahlte Nähe des Oberbürgermeisters Dieter Reiter zum FC Bayern München.
D ieter Reiter ist ein Roter. Nein, nicht weil der Oberbürgermeister Münchens ein SPDler ist. Er ist ein Fan des FC Bayern München. Solche werden in der Stadt Rote genannt. Im Gegensatz zu den Anhängern des TSV 1860. Das sind die Blauen. Dieter Reiter hat aus seiner Leidenschaft für den Rekordmeister nie einen Hehl gemacht.
Das hat ihn ganz nah herangebracht an die Machtzirkel der mächtigen Fußball-AG. Er wurde in den Verwaltungsrat aufgenommen, später dessen Chef, und als solcher stieg er in den Aufsichtsrat auf. Darüber redet nun die ganze Stadt. Denn der Posten ist gut dotiert. Der 67-Jährige hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass er in diesen Tagen zum dritten Mal für eine sechsjährige Amtszeit zum OB der Stadt gewählt wird. Viel zu spät hat er realisiert, dass es vielleicht doch ein Problem ist, dass er für seine Gremienarbeit beim FC Bayern Geld angenommen hat. Kritik daran hat er als „Klamauk“ abgetan und im Stadtrat die Fragen des Linken Stefan Jagel dazu derart arrogant abmoderiert, als hätte der nicht alle Tassen im Schrank.
Jagel hatte darauf hingewiesen, dass nicht stimmt, was Reiter über seine Mitgliedschaft im Bayern-Aufsichtsrat gesagt hat, die üblicherweise mit 75.000 Euro im Jahr dotiert ist. Er sei noch gar nicht Mitglied, hatte Reiter gemeint, als man sich gefragt hat, warum er den Posten einfach so annimmt, ohne den Stadtrat um die nötige Genehmigung zu bitten. Und die Aufsichtsratssitzung, an der er teilgenommen hat? Da sei er nur Gast gewesen. Wirklich? Zum Zeitpunkt der Sitzung war er bereits als Aufsichtsrat im Handelsregister eingetragen.
Späte Reue
Dann wurde auch noch publik, dass er für seine Tätigkeit als Verwaltungsrat 20.000 Euro im Jahre kassiert hat. Auch das hätte er sich genehmigen lassen müssen. Hatte er aber nicht. Getrieben von den Enthüllungen stolperte Reiter im ersten Wahlgang zu einem für ihn unterirdischen Ergebnis von 35,6 Prozent.
Der OB entschuldigte sich nun, trat von allen Posten bei Bayern zurück und hat angekündigt die 90.000 Euro, die er bis dato von dem Klub kassiert hat, wohltätigen Zwecken zu spenden. Ob das reicht für einen Sieg in der Stichwahl gegen Dominik Krause von den Grünen am 22. März? Die Debatte darüber, wie sehr der prosperierende FC Bayern München davon profitiert hat, dass der OB als „Privatmann“, wie dieser es sagt, in seinen Gremien saß, läuft gerade erst an.
Die Kurvenfans der Roten haben dazu eine ganz eigene Meinung. Für sie ist ausgerechnet der rote Reiter ein Verräter. Ihnen geht es um die zweite Mannschaft des FC Bayern. Die trägt ihre Heimspiele in der Regionalliga im städtischen Stadion an der Grünwalder Straße aus. Das nennen auch die Blauen ihre Heimat. Nach elend langen Diskussionen um einen Umbau hat Reiter nun angedeutet, das Stadion dem TSV 1860 in Erbpacht zu überlassen. Sollen die Roten dann im Stadion der Blauen spielen? Für die Roten ein rotes Tuch. Selbst Roten ist Dieter Reiter nicht grün. Er scheint ein Problem zu haben.
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