München 2018: Olympia zum Spartarif

Die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 soll ohne Steuergelder über die Bühne gehen, doch das bleibt wohl in Zeiten der Finanzkrise ein frommer Wunsch.

Schickes Logo, frommer Wunsch: Die Bewerbung für Olympia 2018 soll den Steuerzahler nichts kosten. Bild: dpa

Am Montag war der erste große Bewerbertag. Insgesamt sprachen neun Personen vor, die gern einen Job bei Richard Adam ergattern würden. Eine ganze Kiste voll mit Mappen möglicher Kandidaten habe er bei sich herumstehen, sagt Adam, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft München 2018. Nur vier Leute arbeiten im Moment am Projekt, die olympischen Winterspiele 2018 nach Deutschland zu holen, Adam inklusive. 15 sollen es in den nächsten Monaten werden.

Noch nicht geklärt ist aber die Frage, wie viele Chefs diese 15 Mitarbeiter haben werden, sprich: wie die Geschäftsführung der Firma aussehen soll. Diese durchaus brisante Frage wird eines der wichtigsten Themen auf der Gesellschafterversammlung am Donnerstag in der Münchner Staatskanzlei sein. Zwar hat der Hausherr, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, wahrscheinlich keine Zeit, für ihn wird wohl Staatsminister Siegfried Schneider den Gesellschafter Freistaat Bayern vertreten. Dennoch ist die Runde prominent besetzt. Den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vertreten Präsident Thomas Bach, Generalsekretär Michael Vesper und Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Skiverbandes. Komplettiert wird die Runde durch die Abgesandten der drei potenziellen Olympiaorte, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid und Georg Grabner, Landrat von Berchtesgaden.

Die Gesellschafter müssen entscheiden, wie sie die Nachfolge von Wilfrid Spronk organisieren. Der Chef des Münchner Olympiaparks ist bisher offiziell neben Adam Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft. Doch Sportmanager Spronk hat sich im Herbst wegen gesundheitlicher Probleme ausgeklinkt - vorübergehend, wie es zunächst hieß. Doch mittlerweile ist klar: "Er wird aktuell nicht mehr als Geschäftsführer zur Verfügung stehen", sagt Adam, der selbst erst seit Jahresbeginn im Amt ist.

"Es gibt Tendenzen, die sagen: Wir können nichts dem Zufall überlassen und nehmen noch andere Kernkompetenz aus dem Sport, nämlich Bernhard Schwank, hinzu", sagt Adam. Schwank ist Leistungssportdirektor des DOSB. Der Verband sähe ihn gern als Spronk-Nachfolger. Doch die Hinweise verdichten sich, dass daraus nichts wird. Zum einen gibt es Zweifel an der Eignung des eher introvertierten Schwank, weil der vielleicht nicht genügend Strahlkraft mitbringe. Zum anderen ist das Geld knapp. "Darauf müssen wir schon schauen. Es ist nicht so, dass wir einen Speckgürtel haben. Das muss man ganz klar sagen", sagt Richard Adam.

Eigentlich war die Devise, die 30 Millionen Euro Bewerbungskosten würden auf jeden Fall über Sponsoren abgedeckt und auf gar keinen Fall mit Steuergeldern. Doch die Kollekte in der deutschen Wirtschaft war bisher wenig ergiebig. Münchens Oberbürgermeister Ude erklärte, nach großen Zusagen sei man durch die große Wirtschaftskrise "plötzlich wieder auf null " gewesen. Der Zeitplan ist klar: Im Oktober muss der DOSB die Bewerbung Münchens beim IOC einreichen, ab März 2010 wäre München dann offiziell candidate city. Im Juli 2011 fällt die Entscheidung. Adam sagt: "Im Moment ist unsere Finanzierung bis Sommer gesichert. Aber bis dahin wird sich auch noch etwas tun." Doch wird die Bewerbung tatsächlich ganz ohne Steuergelder auskommen, anders als die grandios gescheiterten Versuche von Berchtesgaden für die Spiele 1992, Berlin für 2000 und Leipzig für 2012? "Ich sehe es als meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass am Ende so wenig öffentliche Gelder gebraucht werden wie möglich", sagt Adam. "Ob am Ende alle verschont bleiben, das kann ich nicht versprechen."

Abgesehen von den Finanzen hält Adam die Bestallung Schwanks noch aus einem anderen Grunde nicht für zwingend: Er traut sich die Geschäftsführung auch allein zu, zumindest vorerst. "Wir reden von einer Bewerbung. Und eine Bewerbung ist vor allem ein Marketing- und Verkaufsprojekt", sagt Adam, der bisher die staatliche Bayern Tourismus Marketing GmbH leitete. Es ist auch denkbar, dass Spronk, wenn er sich erholt hat, einem alleinigen Geschäftsführer Adam als Berater zur Verfügung steht. Adam baut aber auch schon vor für den Fall, dass er doch einen neuen Kogeschäftsführer bekommt: "Ich arbeite mit jedem zusammen, der mit mir zusammenarbeiten will, also mit jemandem, der wirklich will und nicht nur so tut, als ob."

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