: Modellversuche für Ethik-Unterricht
■ Ab 1993 soll an vier Schulen Ethik unterrichtet werden
Berlin. Ab Sommer 1993 wird es voraussichtlich an zwei Berliner Ober- und zwei Grundschulen Unterricht im Fach Ethik geben. Damit solle die Einführung eines weltanschaulich neutralen Wahlpflichtfaches als Alternative zum Religionsunterricht geprüft werden, kündigte gestern die CDU- Fraktion im Abgeordnetenhaus an. Die CDU strebe an, das Schulgesetz zu ändern, so die Arbeitskreisleiterin Schule, Elke Hofmann. In Zeiten zunehmender Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen sei ein auf Werte bezogenes Fach dringend notwendig.
Im Ethik-Unterricht sollten Lehrer Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität sowie Kenntnisse über die großen Weltreligionen vermitteln. Die Schüler sollen zu „ethischer Urteilsbildung in Handlungssituationen“ befähigt werden und auch über aktuelle Probleme diskutieren, heißt es in einem Vorschlag der Fraktion. Die Max-Eyth- Oberschule in Reinickendorf habe bereits ein Konzept für den Modellversuch „Ethik“ vorgelegt, der zunächst mit Philosophie- und Deutschlehrern umgesetzt werden soll.
Die flächendeckende Einführung des Faches in Berlin sei frühestens in ein paar Jahren möglich, hieß es. Lehrer müßten in speziellen Studiengängen dafür ausgebildet werden, neue Stellen seien an den Schulen erforderlich. Von den christlichen Kirchen hatte bereits die evangelische Kirche öffentlich erklärt, ein Wahlpflichtfach Ethik zu befürworten.
Nach Ansicht der schulpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion, Cordula Kollotschek, ist die Einführung dieser Pflichtfächer gerade wegen des Werteverlustes beim derzeitigen Umbruch in der Gesellschaft und der besonderen Probleme beim Einigungsprozeß beider Teile Berlins notwendig.
In Brandenburg gibt es bereits seit diesem Schuljahr an 44 Schulen den Modellversuch „Ethik, Lebenskunde, Religion“ neben konfessionell gebundenem Unterricht. dpa/ADN/taz
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen