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Mitleid für KZ-Wächterin

■ Vorstand der Gedenkbibliothek räumt Fehler bei Entschädigung für Margot Pietzner ein

Berlin (taz) – Das Engagement für die Haftentschädigung der ehemaligen KZ- Aufseherin Margot Pietzner als Opfer des Stalinismus war ein Fehler. Dies räumten die Vorstandsmitglieder der Berliner „Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus“ ein. Margot Pietzner hatte 64.350 Mark Entschädigung für insgesamt zehn Jahre Haft in Internierungslagern und Zuchthäusern erhalten. Auf einer sehr turbulenten außerordentlichen Mitgliedersammlung am Freitag abend erklärten zwei Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt: Ursula Popiolek, Leiterin der Bibliothek, sowie Siegmar Faust, Angestellter beim Berliner Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen. Faust wurde wegen dieser Angelegenheit inzwischen fristlos gekündigt.

Die Mitgliederversammlung hielt den beiden vor, belastenden Hinweisen aus dem Jahre 1991 über die NS-Vergangenheit von Margot Pietzner nicht nachgegangen zu sein. Das „Mitleid“ über die Verurteilung durch ein sowjetisches Militärtribunal im Jahr 1946 habe überwogen. Beide versicherten, die Geldgeschenke, die Frau Pietzner der Bibliothek gemacht hatte, an die „Stiftung politische Häftlinge“ überweisen und sich für eine erneute Überprüfung des Falles einsetzen zu wollen.

Die Stiftung ist allerdings selbst ins Zwielicht geraten. So entschied sie über die zweite Etappe der Haftentschädigung, bevor das erste Verfahren, nämlich die Anerkennung als politischer Häftling, überhaupt beendet war. Ebenfalls setzte sie sich über die Auschlußgründe wie SS- oder Gestapo-Zugehörigkeit hinweg. Gegen den für diesen Fall zuständigen Sachbearbeiter ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Vorteilsnahme. Er soll nach Margot Pietzners Angaben 1.000 Mark entgegengenommen haben. Anita Kugler Seite 4

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