■ Mit korrupten Managern auf du und du: Unsaubere Geschäfte
Paris (dpa/taz) – Die Korruptionsskandale um französische Top-Manager reißen nicht ab. Nach dem früheren Adidas- Boss und Politiker Bernard Tapie und dem Chef des Schneider-Elektrokonzerns, Didier Pineau-Valencienne, hat es nun den Chef des zweitgrößten Unternehmens des Landes, Pierre Suard, erwischt. Nach zwölf Stunden Polizeigewahrsam wird seit Montag abend gegen den Geschäftsführer des Elektro- und Fernmeldekonzerns Alcatel-Alsthom wegen Urkundenfälschung, Betrug und Bestechung ermittelt.
Der 60jährige soll sein Privathäuschen in Neuilly bei Paris auf Firmenkosten mit einer rund 1,2 Millionen Mark teuren Alarmanlage ausgerüstet haben. Die Festnahme Suards, der am Montag abend unter Auflagen wieder nach Hause durfte, löste noch am gleichen Tag einen Sturz an der Pariser Börse aus: Die Alcatel-Aktien fielen um 8,3 Prozent auf 160 Mark und damit den tiefsten Stand des Jahres; der Börsenindex CAC-40 schloß bei einen Tageshöchststand von 1,907 schließlich nur noch bei 1,866.
Als skandalös bezeichnete die Alcatel-Konzernleitung das Vorgehen der Polizei. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Suard selbst rechtfertigte die Selbstschutzmaßnahmen in seinem Haus mit dem Hinweis, die Regierung habe ihn 1986 nach der Ermordung von Renault-Chef Georges Besse durch linksextreme Terroristen dazu aufgefordert.
Industrieminister Gerard Longuet, der nach Aussagen eines französischen Untersuchungsrichters selbst in korrupte Machenschaften verwickelt sein soll, bezeichnete es als „bedauerlich“, daß das Ansehen der Unternehmensgruppe mit fast 200.000 Mitarbeitern auf diese Weise beschädigt werden könne. „Dank seiner Energie sind wir in der Telekommunikation, im Eisenbahnbau weltweit auf dem ersten Rang“, solidarisierte er sich in einem Rundfunkinterview mit Suard.
Der Technikgigant Alcatel, der in über 70 Ländern „Töchter“ hat, ist weltweit einer der Marktführer in der Telefon- und Kabelherstellung, der Satellitentechnik, bei Richtfunksystemen und in der Büroautomation. In die Schlagzeilen kam das Unternehmen bereits wegen angeblich überhöhten Rechnungen seines Tochterunternehmens Alcatel CIT an die France Telecom, die im Dezember 1993 allerdings gegen Zahlung von 60 Millionen Franc auf eine Klage verzichtete. Damals war gegen Alcatel-CIT-Chef Pierre Guichet und den Vize- Generaldirektor der Konzernmutter, Jacques Imbert, ermittelt worden. bbt
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