■ Mit dem Supersommer auf du und du: Ernteverluste
Hamburg (dpa) – In klimatisierten Amtsstuben wird falsch gerechnet. Das Statistische Landesamt Brandenburg zum Beispiel hat noch vergangene Woche einen satten Zuwachs der Getreideernte vorausgesagt. Der Deutsche Bauernverband rechnet jedoch mit einem Rückgang um zehn Prozent. In der Uckermark und der Prignitz ist der Weizen in der Hitze nur hochgeschossen. Er muß jetzt mit viel zu kleinen Körnern in der Ähre notgeerntet werden. Ähnliches berichten Landwirtschaftskammern aus allen Gegenden Deutschlands. „Es sieht schlimm aus, alles ist braun und verbrannt“, sagt der Sprecher des Landvolk-Landesverbandes Niedersachsen.
Auch die Kartoffelernte ist verdorben. Nach dem feuchten Frühjahr haben die Pflanzen zwar viele, aber zu kleine Knollen gebildet, nach den heftigen Gewitterregen bilden sie zudem deformierende Geschwüre aus – es wird schwer, die einträglichen Handelsgrößen zu liefern.
Im Obstbau ist bundesweit mit einen Verlust von 15 bis 20 Prozent durch Hagel und Trockenheit zu rechen, meint die Landwirtschaftskammer Bonn. Die Erdbeerernte endete eine Woche zu früh, Himbeeren reiften zu schnell, was den Ertrag schmälert. Zwar spricht der Bauernverband von einem guten Kirschjahr. Allerdings können die Früchte kaum noch vermarktet werden, wenn sie nach den schweren Gewittergüssen aufplatzen.
Äpfel und Birnen stellen nach dem regenreichen Frühjahr in der Sommerglut das Wachstum ein. „Wenn es noch 14 Tage so heiß und trocken bleibt, holen wir nur Hutzeläpfel und Hutzelbirnen von den Bäumen“, fürchtet Paul Kuhlmann, Geschäftsführer des hessischen Bauernverbandes.
Auch Zuckerrüben und Mais stehen unter Hitzestreß. Diese Pflanzen können die hohen Temperaturen jedoch eine Weile ertragen, weil sie tiefergehende Wurzeln haben. Bewässerungsmaschinen laufen auf Hochtouren, den fehlenden Regen können sie kaum ersetzen.
Dramatisch wirkten Hitze und Trockenheit auf die Wälder: Bäume trockneten aus und seien erheblich angreifbarer. Zudem setzten hohe Ozonwerte und Luftverschmutzung dem Wald zu.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen