KOMMENTAR: Mit dem Schaumlöffel
■ Töpfer schickt die Nordsee in die Sommerfrische
Ein Schaumschläger sei er nicht, versicherte Bundesumweltminister Töpfer vor einem Monat in einem taz –Interview. Rechtzeitig zur Urlaubssaison verordnet er unserer größten Müllkippe eine Sommerpause, genauer gesagt: eine Folter-Erleichterung. Statt viermal wird jetzt nur zweimal wöchentlich ein Schiffsbauch voller Säure in der Nordsee verquirlt. Für zwei Monate gilt diese Schonfrist, dann nehmen wir die Nordsee wieder voll her: Wenn es wieder kalt wird, wenn Stürme die Kloake besser durchmischen, dann kann sie wieder ein Säure-Schlückchen mehr vertragen, genauer gesagt: die volle Dröhnung.
Wird der Sauerstoff im Wasser besonders knapp, dann soll der Fisch mit Schwefelsäure nicht zu arg malträtiert werden. Diese Barmherzigkeit hat die Aufsichtbehörde schon vor acht Jahren gehabt und Kronos Titan entsprechende Auflagen gemacht. Töpfer holt sie aus der Kiste und verkauft sie als sein Abkommen mit Kronos. Wenn die Schaumberge der zweiten Algenblüte an die Strände treiben, wenn Fische und Robben weiter sterben – Töpfer hat was unternommen. Mit dem Schaumlöffel.
Michael Weisfeld
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