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■ Mit dem Microsoft-Untergang auf du und duDoofe sollen siegen

Berlin (AFP/taz) – Wie wilde Wölfe den Vollmond anheulen, so preisen die Technik-Redakteure der ganzen Welt den Personalcomputer als den steigenden Stern am Firmament der Zivilisation.

Schön und gut, meint der Chairman der kalifornischen Datenbankfirma Oracle, aber etwas daneben: „PCs sind die auslaufende Computergeneration“, so Larry Ellison. Das richtet sich natürlich auch gegen den Kometen am Computerhimmel, den Softwarekönig und Megaabsahner Bill Gates und seine Firma Microsoft.

„Microsoft hat auf das falsche Pferd gesetzt“ behauptet Ellison. Fast jeder multimedia- taugliche Hochleistungs-PC läuft zwar mit der Software von Bill Gates, doch die Zukunft gehöre einfachen Endgeräten, wie sie auch heute das traute Heim beherrschen, nur verfeinert – Videotelefonen, Computerspielgeräten und anderen decoderähnlichen Geräten.

Beim Massenpublikum würden PCs immer noch als hochkomplizierte Maschinen gelten und abschreckend wirken, glaubt man bei Oracle. Deshalb wollen die Kalifornier die Rechnerkapazität und die Software nicht mehr in den Computer auf dem heimischen Schreibtisch packen, sondern in die Datennetze.

Der technisch noch so unbegabte Kunde braucht wie beim Fernseher nur zwei, drei Knöpfe zu drücken, um die Multimedia- Welt zu bedienen.

Bei diesem Modell liegt der Schwerpunkt des eingesetzten Gehirnschmalzes und damit auch des Profits im Aufbau der Netze und der Datenbanken. Und dort heißt der Marktführer nicht Microsoft, sondern Oracle.

Mit einem Feldversuch bei Ipswich demonstrieren die British Telecom und Oracle derzeit, daß ihr System funktioniert. Videofilme auf Abruf, lokale Nachrichten und Arbeitsbörsen, Kontoführung und Einkaufen über eine simple Telefonleitung, das alles funktioniert ohne Probleme. „Bis zum Jahresende werden Tausende von Kunden angeschlossen sein. Wenn wir erst einmal bei einer Million liegen, sind wir außer Reichweite der Konkurrenz“, schwärmt Oracle-Aufsichtsrat Ellison.

Derzeit brummt die Firma aus Redwood Shores im Silicon Valley. Der Umsatz stieg im letzten Jahr um 50 Prozent auf 3 Milliarden Dollar. Microsoft konnte „nur“ 24 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar zulegen. Doch Bill Gates bleibt kühl. Die Datenautobahnen seien noch nicht fertig für eine kommerzielle Verwertung. „Bis dahin kann noch viel passieren“, meint Gates. „Es ist besser, zur rechten Zeit anzukommen als zu früh.“ rem

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