■ Mit Plutoniumexporten auf du und du: Schweden beliefern Tomsk
Stockholm (taz) – Neun Tonnen aufgearbeitetes Uran aus Kernbrennstäben werden aller Voraussicht nach schon in Kürze von Schweden an die Atomfabrik im russischen Tomsk geliefert. Nach schwedischen Presseinformationen sind Mitte der Woche entsprechende Verhandlungen zwischen der staatlichen schwedischen „Kärnbränslehantering“ (SKB) und dem Atomkraftkombinat Tomsk-7 erfolgreich abgeschlossen worden.
Die Tatsache, daß Schweden über dieses Geschäft eine der letzten russischen Atomfabriken, die waffenfähiges Plutonium herstellt, mit Ausgangsprodukten für die Atomwaffenproduktion versorgt, scheint der Regierung wie der schwedischen Atomindustrie keinerlei Kopfschmerzen zu bereiten. SKB-Abteilungschef Ingemar Lindholm: „Die Alternative wäre eine Behandlung des Urans als Abfall, was teuer, komplizierter und eine Verschwendung von Rohstoffen wäre. Wir gehen davon aus, daß in Tomsk-7 auf verantwortungsvolle Weise mit dem Uran umgegangen wird.“
Wie verantwortlich in der sibirischen Plutoniumfabrik gearbeitet wird, zeigte sich spätestens nach der Explosion eines Tanks mit Uranlösung im April letzten Jahren, bei der große Gebiete der Umgebung radioaktiv verstrahlt wurden. Die Katastrope warf auch ein Schlaglicht auf den Sicherheitsstandard in der atomtechnischen Anlage: Dort ging auch gelegentlich spaltbares Material verloren, wurden Vorfälle vertuscht, technische Vorschriften umgangen oder 33 Millionen Kubikmeter radioaktiver Abfälle in die Erde gepumpt.
Die neun Tonnen aufgearbeiteten Urans bereiten SKB schon lange Kopfschmerzen. Sie stammen aus der Frühzeit der Atomenergiewirtschaft des Landes und lagern nach einer Aufarbeitung im französischen La Hague seit 20 Jahren in einem provisorisch eingerichteten Atommüllager im mittelschwedischen Studsvik. Pläne zum Bau eines Endlagers, in dem der Atommüll für die nächsten 100.000 Jahre sicher im schwedischen Urgestein untergebracht werden soll, sind über das Stadium von Vorstudien jedoch nicht hinausgekommen, auch wenn sich mittlerweile mehrere wirtschaftsschwache nordschwedische Kommunen für eine Plazierung einer solchen Anlage innerhalb ihres Territoriums interessieren. Frühestens im Jahre 2010, so rechnen die Experten, könnte ein Endlager fertig sein. Daß das wegen einer Beinahekatastrophe berüchtigte Tomsk-7 für die Verarbeitung und Endlagerung schwedischen Atommülls nicht tabu ist, wird bei SKB unter Hinweis auf Deutschland und Frankreich entschuldigt, die ja ebenfalls mit Tomsk Geschäftsbeziehungen pflegten. Reinhard Wolff
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