■ Mit Ost-Klimakurs auf du und du: Moderne Slowakei
Berlin (taz) – Lange Zeit waren aus den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts nur Beschwichtigungen zu hören. Klimapolitik sei kein Thema. Verpestete Luft, giftschleudernde Fabriken, miserable Flüsse und Seen – diese klassischen Umweltthemen waren in jedem Fall wichtiger als Klimapolitik.
Die Slowakei ist nun das erste nicht westliche Industrieland, das sich auf ein Klimaschutzziel festlegt. Bis zum Jahr 2005 sollen – verglichen mit 1988 – die CO2-Emissionen um 20 Prozent gesenkt werden. Mit einem entsprechenden Schreiben informierte die slowakische Regierung inzwischen die UN.
Ähnlich wie die Bundesrepublik muß die Slowakei deshalb nicht sofort ihre Energiepolitik ändern. Denn die Rezession hat das Land mit den großen Schwerindustriebetrieben hart getroffen. Automatisch sank der Energieverbrauch in den letzten Jahren, ähnlich wie in den neuen Bundesländern. „Seit den späten achtziger Jahren sind durch die Rezession die CO2-Emissionen um 20 bis 30 Prozent gefallen“, schätzt Toni Vidan vom osteuropäischen Klimanetzwerk Cancee. Bis zum Jahr 2000 dürfte es der Slowakei also nicht schwerfallen, ihr Versprechen einzulösen, vermutet Vidan. Für die gesamte Region Osteuropa sehen die Trends ähnlich aus. So schätzt die Weltbank, daß der Energieverbrauch im ehemaligen Warschauer Pakt allein zwischen 1990 und 1995 um 20 Prozent sinken wird.
Trotzdem ist die slowakische Entscheidung ein wichtiges politisches Signal. Denn „die Slowakei bricht damit aus der bisherigen Allianz aus“, sagt Vidan. Das könnte andere osteuropäische Staaten in Beweisnot bringen. Gerade in den Staaten wie Polen, wo das Tief des CO2- Ausstoßes offenbar bereits erreicht ist, droht ein steigender Beitrag zum Treibhauseffekt. Dort seien Klimaschutz-Versprechen deshalb besonders wichtig.
Inzwischen gibt es bereits Gerüchte, daß auch Rußland, zweitgrößter Energieverbraucher der Welt nach den Vereinigten Staaten, eventuell ein Klimaschutzziel akzeptieren könnte. Doch Toni Vidan glaubt diesen Spekulationen nicht. Ein russischer Klimaforscher habe ihm einmal gesagt, daß dann die Winter wärmer würden, was nur gut für Rußland sei. Doch das könnte ein folgenschwerer Irrtum sein. Denn größere trockene Zonen würden die Waldwirtschaft in Rußland automatisch in die Krise stürzen. Und sobald vereiste Böden in den Polargebieten auftauen, geriete die Statik von Gebäuden, Bahnlinien und Stromleitungen ziemlich durcheinander. Felix Berth
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