Misshandelte Flüchtlinge in Burbach: „Problemzimmer“ wird Gerichtssache

Vor zweieinhalb Jahren misshandelten Mitarbeiter des damaligen Heimbetreibers European Homecare Flüchtlinge in Burbach. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.

Menschen vor der Flüchtlingsunterkunft

Endlich hat die Misshandlung von Flüchtlingen in Burbach gerichtliche Konsequenzen (Archivbild vom September 2014) Foto: dpa

SIEGEN epd | Nach rund zweieinhalb Jahren Ermittlungen zum Misshandlungsskandal in der Flüchtlingsunterkunft Burbach hat die Staatsanwaltschaft Siegen Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag, dass beim Landgericht Siegen Anklage eingereicht wurde, lehnte weitere Auskünfte aber ab.

Nach einem Bericht der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung wird 38 Beschuldigten unter anderem Freiheitsberaubung durch Unterlassen und die Misshandlung von Flüchtlingen vorgeworfen.

Neben 35 Mitarbeitern des damaligen Heimbetreibers European Homecare und des zuständigen Wachdienstes sollen dem Bericht zufolge auch ein ehemaliger Polizist aus Rheinland-Pfalz sowie zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg zu den Beschuldigten gehören. Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelte demnach unter anderem gegen den Geschäftsführer der Betreiberfirma European Homecare sowie gegen den damaligen Leiter der Unterkunft in Burbach.

Ihnen werde vorgeworfen, von den Misshandlungen der Flüchtlinge gewusst zu haben, berichtet die Zeitung. So sollen etwa Asylbewerber, die sich nicht an Regeln hielten, mit Wissen der Betreiber in ein sogenanntes Problemzimmer eingesperrt worden sein.

Ein im September 2014 bekanntgewordenes Foto, das zeigt, wie ein Wachmann einem auf dem Boden liegenden Flüchtling seinen Stiefel in den Nacken drückt, hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Der Algerier Marwan Rahmani, der auf dem Foto zu sehen war, hatte der früheren Heimleitung Untätigkeit vorgeworfen. Dem Hamburger Magazin Stern hatte er berichtet, er habe die Übergriffe anzeigen wollen und sich bei der Heimleitung beschwert, doch sei nichts passiert.

Der Heimbetreiber European Homecare räumte nach Bekanntwerden der Misshandlungen „eklatantes Versagen“ in Sicherheitsfragen ein. Die Leitung der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Siegerlandkaserne wurde dem Roten Kreuz übertragen.

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