■ Querspalte: Minister haften für ihre Kids
Drogen sind und bleiben böse, findet der britische Innenminister Jack Straw. Daran ändere auch die „kleinere persönliche Tragödie“ nichts: Sein Sohn William war von einer Mirror-Reporterin hereingelegt worden. Sie hatte ihn überredet, ihr Cannabis im Wert von zehn Pfund zu besorgen. Cannabis, so dozierte Straw, sei „international als gefährliche Droge mit betäubenden Eigenschaften“ anerkannt. Kein Wunder, daß der Filius seine eigenen Erfahrungen machen wollte, wenn der Vater solchen Unfug verbrät. Der will nun auch den freien Verkauf von VitaminB6 unterbinden, weil es ein winziges Gesundheitsrisiko darstelle.
Der Null-Toleranz-Apostel, der angesichts der US-amerikanischen harten Welle gegen weiche Drogen glühende Wangen bekommt, sitzt freilich in der Tinte. Im nächsten Monat wird Straws Eltern-haften-für-ihre-Kinder-Gesetz im Oberhaus debattiert. Eltern, so will es Minister Straw, sollen Strafe zahlen, wenn die Kids etwas anstellen. Straw mache sich zum Gespött des Landes, wenn er das durchziehe, bemerkte Lord Russell von den Liberalen voller Vorfreude.
Dabei kann der Innenminister noch froh sein: Wenigstens lungerte William nicht an roten Ampeln herum und wienerte Windschutzscheiben. Die „Gummischrubberbrigade“ war von Straw nämlich als gemeingefährliches antisoziales Element identifiziert worden, das null Toleranz verdiene. Straw wußte, warum Kinder auf die schiefe Bahn geraten, er hatte rechtzeitig gewarnt. Eltern, die nur ihre Karriere im Sinn haben, berauben ihren Nachwuchs der Aufmerksamkeit und Erziehung, die sie benötigen.
Darüber hinaus hatte Straw immer wieder gepredigt, daß es unerläßlich sei, bei der Erziehung konsequent zu sein. In Anbetracht der Tatsache, daß New Labour alle alten Prinzipien über Bord geworfen hat, ist es eigentlich ein Wunder, daß nicht der gesamte Kabinettsnachwuchs zu Drogenbaronen und antisozialen Windschutzscheibenwienerern verkommen ist. Ralf Sotscheck
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