piwik no script img

Mieterschutz

Frankfurt (taz) - Die Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe haben ihr umstrittenes Eigenbedarfsurteil zugunsten von Hauseigentümern korrigiert. Sie veröffentlichten gestern ein Urteil, das sich deutlich von ihrem aufsehenerregenden Spruch im Februar dieses Jahres unterscheidet. Die neue Entscheidung räumt Mietern gegenüber Vermietern bei Eigenbedarfsklagen wieder mehr Rechte ein.

Die 2. Kammer des Ersten Gerichtssenats stellte darin klar, daß es für eine Kündigung eben nicht ausreicht, wenn der Vermieter schlicht Eigenbedarf anmeldet. Dieser Bedarf müsse sehr wohl „vernünftige und nachvollziehbare Gründe“ haben, die auch einer gerichtlichen Prüfung standhalten müßten.

Das Bundesverfassungsgericht hob damit ein Urteil des Frankfurter Landgerichts auf, das im Mai dieses Jahres unter Berufung auf das Urteil der Verfassungsrichter vom Februar einem Vermieter Recht gegeben hatte. Das Landgericht hatte lediglich untersucht, ob die Kündigung „mißbräuchlich“ erfolgt sei, nicht aber, ob der Eigenbedarfsanspruch berechtigt sei. Es hatte darauf verzichtet, Zeugen der gekündigten Mieter anzuhören, die hätten aussagen können, daß der Eigenbedarf in Wirklichkeit nicht bestand.

Damit, so meinten die Verfassungsrichter, hätten die Frankfurter Kollegen den Karlsruher Spruch vom Februar mißverstanden. Eine solche Überprüfung der Eigenbedarfsansprüche zu unterlassen sei eine „fehlerhafte Sichtweise“, stellten sie klar und übten Richterschelte: „Vorgeschobene Kündigungen verdienen keinen Schutz.“

hei

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen